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Adipositas – Vorbeugung, Ursachen und Therapie

von Matthias A. Exl, MBA

Adipositas ist eine Volkskrankheit geworden: Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit nimmt die Anzahl der übergewichtigen oder fettleibigen (adipösen) Menschen stetig zu. Betroffen sind hauptsächlich die westlichen Industriestaaten. Das beginnt meist schon bei Kindern, die recht früh mit den Folgen des Übergewichts konfrontiert sind und später auch als Erwachsene daran leiden. Doch was sind die Ursachen und Folgen von Adipositas und was kannst du tun, um sie bereits präventiv zu bekämpfen oder gegen dein Übergewicht vorzugehen?

Ab wann bist du übergewichtig?

Die Definition von Übergewicht wird nach einer Einteilung der Weltgesundheitsorganisation vorgenommen und ist beispielsweise in der Leitlinie zur Prävention und Therapie von Adipositas der Deutschen Adipositas-Gesellschaft erklärt: Die Einteilung bemisst sich nach dem Body-Mass-Index (BMI). Dieser ergibt sich durch eine Berechnung und Gegenüberstellung von Gewicht und Körpergröße nach der Formel: kg/m².

Je nach dem Ergebnis dieser Berechnung kannst du entweder Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht oder vier Stufen der Adipositas haben:

• BMI < 18,5 bedeutet Untergewicht
• BMI zwischen 18,5 und 24,9 bedeutet Normalgewicht
• BMI > 25,0 bedeutet Übergewicht

Danach folgen vier Stufen der Adipositas mit steigendem Gefahrenpotenzial:

• Präadipositas: von 25 – 29,9
• Adipositas Grad I: 30 – 34,9
• Adipositas Grad II: 35 – 39,9
• Adipositas Grad III: ab 40

Der BMI hat allerdings auch Einschränkungen, denn er sagt nichts über den Fettanteil des Körpers aus. So kann jemand mit einem hohen Muskelanteil und niedrigem Fettanteil laut BMI auch Übergewicht haben.

Eine zusätzliche Möglichkeit, um Übergewicht zu definieren, ist das Messen des Bauchumfangs. Der Bauchumfang (gemessen an der dicksten Stelle, ungefähr in Höhe des Bauchnabels) ist ein Maß für das Bauchfett. Ein Studie (1) zeigte: Ab einem Bauchumfang von 80 cm bei Frauen und 94 cm bei Männern steigt das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Liegt dein Bauchumfang darüber, solltest du auf keinen Fall weiter zunehmen. Ab einem Bauchumfang von 88 cm bei Frauen und 102 cm bei Männern wird empfohlen, abzunehmen. Denn ab diesem Wert steigt das Risiko für Erkrankungen nachweislich stark an. Tipp: Achte beim Messen darauf, dass du nicht gerade gebläht bist, denn das verfälscht das Ergebnis natürlich. Am besten, vor dem Frühstück messen.

Wo leben die dicksten Menschen?

Es gibt unterschiedliche Studien der WHO sowie der OECD, die regelmäßig prüfen, wo die größte Anzahl übergewichtiger oder gefährlich dicker Menschen lebt. Laut der letzten OECD Studie von 2016 belegten weltweit die USA, Türkei, Neuseeland, Kanada und Australien die ersten fünf Plätze.
2014 belegten die Cookinseln (Neuseeland) nach der WHO noch Platz 1 mit einem Anteil von 50,8% adipöser Menschen. Deutschland war mit einem Anteil von „nur“ 20% lediglich auf Platz 94. Doch wir holen stetig auf!

Immerhin sind laut des renommierten Robert Koch Instituts (2) rund zwei Drittel der Männer und jede zweite Frau übergewichtig oder sogar adipös. Und der Anteil der betroffenen Kinder und Jugendlichen liegt immerhin bei 7%. Daher empfiehlt es sich, rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten. Idealerweise beginnt Prävention bereits im Kindesalter.

Wo liegen die Ursachen für das Übergewicht?

Es gibt mehrere mögliche Ursachen, die der Arzt im Einzelfall feststellen kann. Sie bieten einen wertvollen Ansatz dafür, wie sich das Übergewicht individuell bekämpfen lässt.
Zu diesen gehören laut dem beratenden Experten der Apotheken-Umschau, Professor Dr. med. Johannes Erdmann, unter anderem die Folgenden:

• bestimmte Medikamente
• Bewegungsmangel
• Depressionen
• Essstörungen
• falsche Ernährung
• genetische Veranlagung
• Morbus Cushing
Schilddrüsenunterfunktion
• ständige Verfügbarkeit von Essen
• Stress

Aktuell liegt eine Studie der WHO aus dem Jahr 2019 vor, die darauf hinweist, dass auch das Stillen einen Einfluss auf die Entwicklung von Adipositas hat. Denn Säuglinge, die überhaupt nicht oder nur selten gestillt werden, haben ein viel höheres Risiko, später an Adipositas zu leiden. Die Experten der WHO halten es daher präventiv für sinnvoll, dass Kinder so lange wie möglich gestillt werden, um das spätere Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit zu reduzieren.

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Was sind die Folgen des Übergewichts?

Häufige Folgen der Adipositas, die entweder einzeln oder sogar in Kombination miteinander möglich sind, sind die Folgenden (3):

  • Bluthochdruck, der in Folge im Alter zu Demenz führen kann (4)
  • Arterienverkalkung
  • Erkrankung der Herzkranzgefäße; Herzinfarkt
  • Diabetes Typ 2
  • erhöhtes Krebsrisiko, besonders Speiseröhren- oder Darmkrebs
  • Arthrose und vermehrte orthopädische Probleme
  • Stoffwechselstörungen
  • Gefahr von nächtlichen Atemaussetzern oder Schlafstörungen
  • Asthma (5)
  • Gicht
  • Gallensteine
  • gynäkologische Probleme
  • Potenzstörungen
  • psychische Folgen wie Depressionen

Welche Möglichkeiten gibt es zur Vorbeugung und Therapie?

Wenn jemand übergewichtig ist, dann wird oft zuerst empfohlen, sich gesünder zu ernähren und sich mehr zu bewegen. Diese Tipps sind selbstverständlich grundsätzlich richtig und sorgen für Fitness und Wohlbefinden. Doch nicht immer sind Bewegungsmangel und zu viel oder zu fettiges oder zu süßes Essen auch der Auslöser.
Es kann auch an genetischen Problemen oder an der Einnahme falscher Medikamente liegen.

Daher ist es zwar häufig hilfreich, die Essensgewohnheiten zu prüfen und zu steuern, aber zu Beginn einer Behandlung sollte ein Arzt eine konkrete Diagnose stellen.

Am Anfang steht die Diagnose

Bei der Diagnose achtet der Arzt auf die äußere Erscheinung sowie die Essgewohnheiten des Patienten. Er macht sich ein Bild über die Lebenssituation, wie häufig der Patient sich bewegt, gegebenenfalls welche Sportarten er betreibt. Dann lässt er sich von ihm schildern, welche Beschwerden vorliegen und welche Erkrankungen bereits diagnostiziert sind. Der Arzt wird den BMI messen und ein Blutbild erstellen, bei dem auch die Schilddrüsenwerte begutachtet werden. Dazu kommen Blutdruckmessung und EKG.

Prävention oder Therapie?

Präventiv ist es günstig, wenn die Eltern bereits darauf achten, dass die Kinder sich ausgewogen ernähren und aktiv spielen oder bewegen. Am besten an der frischen Luft.
Aber auch bei Erwachsenen ist es natürlich noch nicht zu spät, darauf zu achten. Wer allerdings schon im fortgeschrittenen Stadium adipös ist, wird zusätzliche Therapien benötigen, um Abhilfe schaffen zu können.
Spezielle hilfreiche Tipps und Infos findest du dazu auch auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums, wo du dir die entsprechenden Dokumente downloaden kannst. Außerdem findest du hier die Adipositas Selbsthilfe Interessengemeinschaft.

Welche Therapien kommen infrage?

Wenn die Prävention nicht funktioniert hat oder versäumt wurde, dann muss der Mensch komplett umdenken, um seine gesundheitlichen Risiken zu minimieren. Das Problem ist dabei, dass es sehr schwer ist, einfach sein Freizeitverhalten sowie die Lebensgewohnheiten über den Haufen zu werfen. Für die Behandlung stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung

Ernährungsumstellung

Um abzunehmen, musst du dem Körper immer weniger Kalorien zuführen, als du verbrauchst. Wenn du dich kaum bewegst, solltest du auch weniger essen oder das Richtige essen. Gemüse und Obst hat wesentlich weniger Kalorien als Fast Food oder Tiefkühlpizza. Der Arzt/Therapeut stellt hier einen passenden Ernährungsplan auf, der auch Allergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten berücksichtigt. Denn am Ende muss nicht nur die Kalorienbilanz, sondern auch die Nährstoffbilanz stimmen.

Von Radikaldiäten in Eigenregie ist in dem Fall dringend abzuraten. Stattdessen musst du deine Ernährung langfristig ändern und möglichst auch beibehalten, damit du keinen Jo-Jo-Effekt erzielst. Am Beginn einer solchen Ernährungs- und Lebensumstellung kann jedoch eine Heilfastenkur stehen, die nicht mit einer Null-Diät zu verwechseln ist. Das Heilfasten kann eine irritierte Darmflora normalisieren und dem Stoffwechsel zu einer Art Neustart verhelfen. Als ganzheitlicher Prozess kann das Heilfasten auch auf seelischer Ebene zu einem neuen Lebensgefühl anstoßen.

Auch das Intervallfasten hat sich als sehr effektive Langzeittherapie gegen Übergewicht erwiesen (7). Vor allem die Kombination von Zuckerreduktion, Intervallfasten und einer Ernährungsweise, die als Mittelmeer-Diät bekannt ist (8), hat sich als gute Methode erwiesen, um nachhaltig abzunehmen und schlank zu bleiben.

Studien zeigen auch, dass die Einnahme von Probiotika und Präbiotika während der Ernährungsumstellung positive Effekte auf den Gewichtsverlust haben kann (9).

Die Abnehmphase sollte ärztlich überwacht werden und kann auch in Therapieeinrichtungen stattfinden. Denn zu Beginn kann die radikale Änderung auch zu Nebenwirkungen führen und du könntest Probleme mit dem Blutdruck bekommen. Manchmal bekommen Patienten auch Probleme mit Gallensteinen oder Erschöpfungszuständen.

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Bewegungsprogramm

Wer schwer übergewichtig ist, hat oft Probleme, sich überhaupt zu bewegen oder wird schnell kurzatmig. Wilde Sportübungen sind daher nicht möglich. Auch die Gelenke können nicht jede Art der Belastung problemlos mitmachen. Daher ist es notwendig, dass der Therapeut ein Bewegungsprogramm erstellt, das auf den jeweiligen Patienten genau zugeschnitten ist (6). Mit zunehmendem Behandlungserfolg kann das Programm dann verstärkt oder geändert werden.

Es gibt jedoch einfache Sportarten, die zu Beginn bereits positive Wirkung zeigen, das kann bereits mit Radfahren oder Schwimmen (das entlastet die Gelenke) sowie Wandern oder Nordic Walking beginnen. Und wenn du völlig aus der Übung bist, dann beginne einfach mit kleinen Spaziergängen, die du täglich ausweitest.

Therapiesitzungen

Es gibt die Möglichkeit, sich Therapiegruppen anzuschließen oder spezielle Verhaltenstherapien mitzumachen. Hier können Probleme besprochen und Tipps erfragt werden. Außerdem findest du dabei auch heraus, in welchen Situationen du zu viel oder falsch gegessen hast. Oder wenn das Übergewicht stressbedingt war, kannst du Techniken erlernen, um den Stress besser zu bewältigen.

Parallele Medikation

Unterstützend Medikamente einzunehmen, befürworten Ärzte normalerweise erst dann, wenn die anderen Optionen ausgeschöpft sind und nichts bewirkt haben. Dies kommt aber auf die Ursachen und den Patienten an.

Magenbypass

Die allerletzte Maßnahme, die bei extrem übergewichtigen Menschen (aber nicht bei Kindern!) erwogen wird, ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem es wiederum mehrere Möglichkeiten und Methoden gibt. Bekannt sind der Magenballon, der Schlauchmagen, der Magenschrittmacher oder der Magenbypass. Eine chirurgische Maßnahme wird nur im Notfall in Erwägung gezogen.
Eine Fettabsaugung bringt keine Lösung, denn diese stellt nicht die Ursachen des Übergewichts ab.

Literatur zu Übergewicht und Abnehmen

Download: Leitfaden zur Detoxkur

Für jene Menschen, die selbständig eine Detoxkur durchführen wollen, haben wir einen exzellenten Leitfaden mit 23 Seiten zusammengestellt. Es hat sich für viele Menschen als vorteilhaft herausgestellt, den Körper und auch die Seele von Zeit zu Zeit etwas zu entlasten. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, welche wir dir hier zeigen!

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Quellenangaben

  1. Lean ME, Han TS, Morrison CE. Waist circumference as a measure for indicating need for weight management. BMJ. 1995 Jul 15;311(6998):158-61.
  2. Robert Koch-Institut 2014, Studie DEGS1, Erhebung 2008–2011. (Quelle: Webseite des RKI)
  3. GBD 2015 Obesity Collaborators. Health Effects of Overweight and Obesity in 195 Countries over 25 Years. N Engl J Med. 2017 Jul 6;377(1):13-27.
  4. Whitmer RA, et al. Central Obesity and Increased Risk of Dementia More Than Three Decades Later, Neurology. 2008 Sep 30;71(14):1057-64.
  5. Peters U, Dixon AE, Forno E. Obesity and asthma. J Allergy Clin Immunol. 2018 Apr;141(4):1169-1179.
  6. DGSP. S1- Leitlinie Vorsorgeuntersuchung im Sport. 2007. (Webseite der DGSP mit Download-Link zur Leitlinie)
  7. Harris L, et al. Intermittent fasting interventions for treatment of overweight and obesity in adults. JBI Database System Rev Implement Rep. 2018 Feb;16(2):507-547.
  8. Widmer RJ, et al. The Mediterranean diet, its components, and cardiovascular disease. Am J Med. 2015 Mar;128(3):229-38.
  9. Cerdó T, et al. The Role of Probiotics and Prebiotics in the Prevention and Treatment of Obesity. Nutrients. 2019 Mar 15;11(3). pii: E635.
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Bildquellen

  • Adipositas Titelbild mit Schriftzug: New Africa | Shutterstock.com