Atemtherapien: Techniken für gesundes Atmen

Atmen ist ein Reflex. Wir denken gar nicht darüber nach – bis es einmal nicht mehr so funktioniert, wie es soll. Dann können Atemtherapien Betroffenen gezielt helfen, wieder gesund zu atmen. Wir zeigen, wie diese funktionieren und welche Formen der Atemtherapie es gibt.

Was sind Atemtherapien?

Die Atemtherapie ist einerseits ein Teilbereich der Physiotherapie, der ein breites Spektrum an Techniken und Übungen umfasst. Ziel dieser Therapien ist es, die Atmung zu erleichtern und ein gesundes Atmen zu fördern. Aber auch in der Natuheilkunde und der Psychotherapie kommen bestimmte Formen der Atemtherapie zum Einsatz. Dabei setzen die Therapien an verschiedenen Punkten an, etwa bei der Wahrnehmung des eigenen Körpers und einer guten Haltung, beim Training der Atemmuskulatur oder bei der Fähigkeit zur Entspannung.
Wer mehr über Atemübungen erfahren will, findet dazu auch zahlreiche Informationen im Netz. In der Regel ist jedoch zumindest am Anfang die Anleitung durch einen Therapeuten sinnvoll.

Anwendungsgebiete für Atemtherapien

Die Atemtherapie findet vor allem bei Erkrankungen des Atmungstraktes Anwendung. Einige Techniken haben aber auch ihren Weg in die Geburtsvorbereitung gefunden. Hauptsächlich setzen Mediziner auf die Therapie, wenn Erkrankungen eine direkte Störung der Lungenfunktion mit sich bringen. Zu den Anwendungsgebieten gehören:

  • Asthma
  • Lungenentzündungen
  • Chronisch obstruktive Bronchitis (COPD)
  • Lungenfibrose und Mukoviszidose
  • Phasen nach Traumata und Operationen im Bereich des Brustkorbs
  • neurologische Störungen und Lähmungserscheinungen

In der Regel erleichtert die Atemtherapie die Atmung und verbessert so möglicherweise auch die Lebensqualität der Patienten.

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Welche Formen der Atemtherapie gibt es?

Atemtherapien zielen auf verschiedene Bereiche der Lungenfunktion ab. Die Übungen lassen sich aber zu bestimmten Ansätzen zusammenfassen:

  • Reinigung und Weiten der Atemwege
  • Verbesserung der Atembewegung
  • Verbesserung der Beweglichkeit im Brustkorb
  • Förderung des Atemrhythmus
  • Training der Atemmuskulatur
  • Entspannung der Atemmuskulatur
  • reflektorische Atemtherapien

Asthma-Patienten erlernen zudem spezielle Übungen, die sie im Falle eines Anfalls ausführen sollen.

Atemtherapie für Reinigung und Weiten der Atemwege

Diese Übungen helfen Patienten, wenn sich in der Lunge Sekret sammelt und sich die Atemwege verengen. Die Atemtherapien kommen daher unter anderem bei Patienten von Mukoviszidose, Fibrose oder Lungenentzündungen zum Einsatz. Sie unterstützen dabei den Schleim zu lösen, indem sie den Brustkorb schwingen lassen oder über Körperhaltungen, die ein gesundes Atmen erleichtern.

Atemtherapie zur Verbesserung der Atembewegung

Dieser Übungskomplex zielt auf das Bewusstmachen der Atmung ab. Dabei atmet der Patient bewusst ein und aus – zum Beispiel in Intervallen oder etwa wie eine Art „Schnüffeln“, „Hauchen“ oder als bewusst mehrstufiges Ausatmen.
Zu dieser Form der Atemtherapien gehören auch passive Übungen. So unterstützt der Therapeut die Ausatmung durch sanften Druck auf den Brustkorb. Diese sogenannte Thoraxkompression soll ebenfalls den Atemprozess ins Bewusstsein holen, ohne beim Patienten ein unangenehmes oder beengendes Gefühl zu hinterlassen.

Atemtherapien für verbesserte Beweglichkeit

Gesundes Atmen hängt auch von der Beweglichkeit der einzelnen Elemente im Brustkorb ab. Ist diese eingeschränkt – wie bei Lähmungen oder nach Operationen – kommen derartige Übungen zum Einsatz. Rollende und drehende Bewegungen der Wirbelsäule sind dabei eines der zentralen Trainingselemente. Auch hier ist wieder der bewusste Bewegungsablauf wichtig.

Atemtherapien zur Förderung des Atemrhythmus

Diese Atemtherapien arbeiten mit Dehnübungen, die von einer durchgehenden, fließenden Atmung begleitet werden. Die Patienten achten dabei gezielt darauf, den Atemrhythmus einzuhalten und die Luft nicht anzuhalten, während sie die Übung aktiv ausführen.
Eine bewusste, gleichmäßige Atmung kann aber auch passiv geübt werden. Dann dehnt der Therapeut den Patienten über geführte Bewegungen und Dehnungen.

Atemtherapien als Training der Atemmuskulatur

An der Atmung sind viele Muskeln beteiligt. Einige, wie die Bauchmuskeln, nehmen wir bewusst wahr und können sie gezielt steuern. Andere Muskeln, beispielsweise die Zwischenrippenmuskulatur, sind für uns weniger direkt ansprechbar und oft in ihrer Bewegung unbewusst. Die Bauchmuskulatur lässt sich mit gezielter Anspannung aber auch mit Übungen wie Crunches oder Sit-ups kräftigen. Für die weniger direkt ansprechbare Muskulatur gehen Atemtherapien kleine Umwege, die aber im Endeffekt ebenfalls zur Spannung des Muskels führen. So werden Muskeln gekräftigt, die durch die Grunderkrankung geschwächt sind.

Atemtherapie zur Entspannung

Diese Atemtherapien kommen vor allem bei verkrampfter Muskulatur zum Einsatz. Sie arbeiten mit geführten Bewegungen, leichtem Dehnen oder Schütteln und fokussieren auf eine langsame Atmung und bewusste Entspannung.

Die reflektorische Atemtherapie

Für diese Atemtherapie arbeitet der Therapeut mit Reaktionen des Körpers auf Reize von außen. Hier fließen gymnastische Übungen, die Handgriffe der manuellen Therapie und Wärme als Anwendung zusammen, um je nach Bedarf zu entspannen oder anzuregen. Durch die große Bandbreite der Kombinationsmöglichkeiten lässt sich diese Form der Atemtherapie bei fast allen Beschwerden gut einsetzen.

Notfallübungen in der Atemtherapie

Notfallübungen helfen vor allem Asthmatikern während eines Anfalls. Bei diesen Patienten verkrampfen die Bronchien während eines Anfalls. Um das zu verhindern und wieder gesund zu atmen, lernen die Patienten unter anderem die sogenannte Lippenbremse, die einen Druck in den Bronchien aufbaut und so zur Entspannung dieser beiträgt.

Atemtherapie in der Naturheilkunde und Psychologie

Mit vielen Formen der Atemtherapie lassen sich auch Stress und Ängste abbauen, einem Burn-Out vorbeugen und aus Sicht der Tiefenpsychologie Blockaden lösen. Es verbessern sich dabei auch unsere Körperfunktionen. Spezielle Atemtechniken wirken regulierend auf das Herz-Kreislauf-System, den Verdauungstrakt und sämtliche Drüsenfunktionen. Sie fördern die innere Lebendigkeit und helfen, die eigene Mitte zu finden. Die folgenden Atemtherapien sind bekannte Beispiele aus Naturheilkunde und Psychotherapie:

Pranayama – Atemtherapie im Yoga

Das aus dem Yoga stammende Pranayama ist eine der ältesten Atemtherapien. Die Übungen dienen dazu, dass wir bewusster atmen und unser Atemvolumen erhöhen. Bei einer regelmäßigen Ausübung der Pranayama Atemübungen zeigt sich eine positive Auswirkung sowohl auf die Psyche als auch auf körperliche Funktionen wie Puls und Blutdruck.

Eutonie – Atemtherapie bei Schmerzen

In der Eutonie lernt man zum Einen das achtsame Atmen und zum Anderen wie sich durch den gesteuerten Atemstrom leichte Schmerzen bekämpfen lassen. Dabei wird der Atemstrom bewusst zur schmerzenden Körperregion gelenkt. Diese Übung wirkt bei leichten und mittelschweren Schmerzen, schwere Schmerzzustände bedürfen zusätzlicher Therapien.

Holotropes Atmen – in der Psychotherapie

Holotropes Atmen ist eine Technik, bei der man durch stark beschleunigtes Atmen absichtlich bis an die Grenze der Hyperventilation kommt. Diese Form der Atemtherapie wird vor allem in der Psychotherapie eingesetzt. Das Ziel ist die Bearbeitung und Integration bislang unzureichend integrierter Persönlichkeitsanteile und eine „Hinbewegung auf Ganzheit“, was durch den Begriff holotrop zum Ausdruck gebracht werden soll.

Einfache Atemübungen für zu Hause

Bei unruhigen Herzzuständen

Lege beide Hände übereinander auf dein Herz. Die untere Hand macht sanfte Kreisbewegungen und die obere Hand wird passiv mitgeführt. Nimm in der Kreisbewegung ab und zu das Ausatmen mit nach unten. Mit dieser Übung wird dein Herz und auch du selbst schnell ruhiger werden.

Bei Schmerzen

Lege oder setze dich bequem hin und lege eine Hand oder auch beide Hände auf die schmerzende Stelle. Nimm beim Einatmen neue Lebenskraft auf und lenke diese an die schmerzende Stelle. Beim Ausatmen stelle dir vor, wie du alle Gifte und Entzündungsstoffe abgibst – und alles, was seelisch daran gebunden sein mag. Atme für eine Weile ein und aus und spüre, wie der Schmerz nachlässt.

Mit der Stimme spielen 

Beginne zu summen und nimm wahr, wie der Summton in deinem Kopf Raum einnimmt. Nach einer Weile halte eine Hand auf ein Ohr. Wie verändert sich der Ton? Entferne die Hand etwas vom Ohr und führe sie gleich wieder zurück zum Ohr. Du kannst die Übung auch mit beiden Händen machen. Kinder machen das sehr gerne. Nun halte während des Summens ein Nasenloch zu. Was passiert jetzt mit dem Ton in dir? Welche Kopfräume nehmen die Vibration des Tons auf? Spiele mit Nasenloch und Ohr und nimm nach einer Weile auch noch die Augen dazu und decke sie ein- oder beidseitig ab. Summe weiter und lege die Hände unter die Schlüsselbeine, dann an die Rippen und schließlich auf den Unterbauch. Spüre, wie der Ton immer mehr Raum in deinem Rumpf einnimmt. Nach Beendigung der Übung atme noch ein wenig nach und nimm wahr, wie wach und präsent du jetzt in deinem Körper bist.

Gegen Stress

Stehe locker mit schulterbreit positionierten Beinen und seitlich herabhängenden Armen. Nun atme durch die Nase ein und winkle dabei deine Arme an – mit den Handflächen nach oben. Zähle dabei bis fünf und ziehe bewusst die Schultern nach hinten. Spüre, wie sich dabei dein Brustkorb weitet. Auf Brusthöhe drehe die Handflächen nach vorne (Fingerspitzen zeigen nach oben) und lasse die Luft mit einem Zischlaut durch den leicht geöffneten Mund entweichen. Schiebe dabei die Arme langsam nach vorne und zähle bis zehn. Dann lasse die Arme sinken. Die Übung sechsmal wiederholen. Täglich (z.B. morgens) durchgeführt, kann diese Übung helfen Stress abzubauen.

Beruhigend für Körper und Geist

Die Wechselatmung beruhigt und baut Stress ab. Sie ist z.B. eine gute Vorbereitung auf eine Meditation, auf Yoga-Übungen oder ganz allgemein um im Alltag Ruhe zu finden. Bei dieser Atemtechnik werden abwechselnd die Nasenlöcher zugehalten. Es wird links eingeatmet, die Luft angehalten, rechts ausgeatmet, rechts eingeatmet, die Luft angehalten, links ausgeatmet usw. Fünf Minuten reichen, um Körper und Geist zu entspannen.

Aktivierend und kreislaufanregend

Die sogenannte Schnellatmung ist eine aktivierende Atemübung. Dabei wird das Blut vermehrt mit Sauerstoff angereichert und die Lungen werden gekräftigt. Sie verhilft zu einem klaren Kopf und kann auch innere Spannungen lösen. Wenn man sich müde und niedergeschlagen fühlt, bekommt man neue Kraft, Energie und Konzentration. Die Übung ist denkbar einfach: Es wird mindestens zehn Atemzüge lang langsam eingeatmet und schnell durch die Nase ausgeatmet. Dabei sollte man bequem stehen. Diese Übung gehört eigentlich zu den yogischen Reinigungsübungen und reinigt die Atmungsorgane und beseitigt Schleim in den Bronchien.

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Quellenangaben

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Bildquellen

  • Schriftzug Atemtherapien und eine Gruppe: kudla | Shutterstock.com
Redaktion GKS

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