Ein Auge einer Frau, eingefärbt als Symbol für den Spiegel der Seele und Burnoutsymptome

Diagnose Burnout – Wie erkenne ich das Burnout Syndrom?

in Seele von Dr. Silvia Nold

Ausgebrannt, erschöpft, überfordert? Hier erfährst du, wie ein Burnout entsteht, wie du das Burnoutsyndrom erkennst und auf welche Warnzeichen du achten solltest. Denn nur wer das Burnout frühzeitig erkennt, kann auch rechtzeitig gegensteuern. Mache den Burnout Selbsttest!

Das Burnout (auch Burn-out-Syndrom) wurde in den letzten Jahrzehnten immer häufiger. Ein zu hoher Druck im Job führt zu Ängsten, Schlafstörungen, Erschöpfung und schließlich zum vollständigen „Ausbrennen“. Doch auch Ursachen im privaten Bereich können dahinterstecken. Die Folge: Der Akku ist leer, die Reserven sind erschöpft. Schlimmstenfalls kann ein Burnout in eine schwere Depression oder Suizidgedanken münden.

Doch das muss nicht sein. Wer erste Anzeichen eines Burnouts richtig deutet, kann rechtzeitig etwas dagegen tun. Deshalb ist es wichtig, auf sich selbst zu achten. Wirst du schneller müde? Hast Konzentrationsprobleme, machst mehr Fehler oder empfindest deine Arbeit zunehmend als sinnlos? Was dir diese Warnzeichen sagen und welche weiteren Symptome ein Burnout hat, erfährst du hier.

Wann spricht man vom Burnout?

Das Thema Burnout ist heute von größter Relevanz. Experten schätzen: Rund jeder Dritte hat einmal eine Phase im Leben, in der ein Burnout oder zumindest eine Vorstufe davon vorliegt. Von 2004 bis 2012 stiegen die Krankmeldungen wegen Burnout um ganze 700 Prozent (1). Allerdings ist Burnout keine festgelegte klinische Diagnose, wie zum Beispiel die Depression.

Definition: Burnout

Das Englische „to burn out“ bedeutet „ausbrennen“. Der Begriff Burnout wurde von dem amerikanischen Psychotherapeuten Herbert Freudenberger in den 70er Jahren geprägt. Er war selbst von einem Gefühl des Ausgebranntseins betroffen, nachdem er lange über seine Kräfte gearbeitet hatte.

Burnout ist jedoch keine medizinische Diagnose. Man spricht von einem Burnout in der Regel immer dann, wenn Menschen sich in einer persönlichen Krise befinden, die von Erschöpfung und Überarbeitung geprägt ist. Oft kommt ein Burnout zusätzlich mit anderen psychischen Problemen vor oder mündet in eine Depression (1).

Unterschied zwischen Burnout und Depression

Eine müde Frau am LaptopManchmal wird Burnout mit Depression gleichgesetzt. Das ist aber nicht ganz richtig, denn es gibt Unterschiede. Ein Burnout ist in vielen Fällen auf die Arbeit bezogen, während die Depression meist sämtliche Lebensbereiche betrifft. Ein Burnout kann eine Vorstufe einer Depression sein. Deshalb ist es wichtig, das Gefühl des Ausgebranntseins und der Überforderung nicht zu ignorieren, um die Entstehung einer Depression zu verhindern.

Die Symptome eines Burnouts und einer Depression überschneiden sich allerdings. Ein Gefühl der Leere oder Sinnlosigkeit, Antriebslosigkeit und Erschöpfung können sowohl auf Burnout als auch auf Depressionen hindeuten. Letztendlich spielt bei der Unterscheidung auch die Perspektive eine Rolle. Fühlt man sich durch den Job oder generelle Überforderung ausgebrannt, spricht man eher vom Burnout. Viele Experten nehmen an, dass die Grenzen zwischen Burnout und Depression fließend sind.

Ursachen eines Burnouts

Oft steht vor dem Ausbrennen etwas, für was man brennt. Das kann ein sehr anstrengender Job sein oder ein Beruf, in dem man sich über die Maßen, auch emotional, engagiert. Ein typisches Beispiel sind Menschen in Sozialberufen. Aber auch private Dinge können zum Burnout führen, zum Beispiel großes Engagement in ehrenamtlicher Arbeit, die Pflege von Angehörigen oder ein schwer erkranktes Kind. Außerdem kann zur Entstehung eines Burnouts beitragen, dass man sich generell zu viele Tasks aufbürdet. Wer einen Hausbau plant, nebenher Vollzeit arbeitet und Kinder erzieht, der ist durch die Mehrfachbelastung unter Umständen irgendwann ebenfalls ausgebrannt.

Generell kann man bei der Entstehung eines Burnouts äußere und innere Ursachen unterscheiden, die oft gemeinsam vorkommen.

Innere (persönliche) Ursachen für Burnout

Zu einem Burnout können verschiedene Persönlichkeitsmuster und innere Risikofaktoren beitragen. Dazu gehören unter anderem:

  • Geringe Resilienz / Belastbarkeit: Einige Menschen haben eine große Resilienz, also eine starke psychische Widerstandsfähigkeit, die bei der Bewältigung von Krisen hilft. Andere sind weniger belastbar. Allerdings gibt es Situationen, die kaum ein Mensch ohne auszubrennen überstehen kann.
  • Schwaches Selbstbewusstsein: Wer ein niedriges Selbstwertgefühl und wenig Selbstbewusstsein hat, hat oft einen starken Wunsch nach Anerkennung von anderen Menschen. Das kann zu einem großen inneren Druck führen.
  • Starker Ehrgeiz oder Idealismus: Wer einen Beruf, ein Hobby oder soziales Engagement aus tiefstem Herzen oder mit großen Ehrgeiz angeht, geht manchmal über seine Grenzen. Dadurch kann langfristig ein Burnout entstehen.
  • Falsche Ziele: Manchmal arbeiten wir Zielen entgegen, die eigentlich gar nicht zu uns passen und die eher die Erwartungen anderer erfüllen, als unsere eigenen. Oder die Ziele sind zu hoch gesteckt und unerreichbar. Das führt zu Frustration, einem Gefühl der Sinnlosigkeit und letztendlich manchmal zum Burnout.
  • Falscher Stolz: Wer vor anderen (oder sogar vor sich selbst) Schwäche und Erschöpfung nicht eingestehen kann, der nimmt sich selbst die Möglichkeit, einem beginnenden Burnout gegenzusteuern.

Besonders gefährlich wird es, wenn mehrere der inneren und äußeren Ursachen zusammenkommen (2).

Äußere Ursachen für Burnout

Neben den persönlichen Ursachen für Burnout gibt es auch zahlreiche Lebenssituationen und äußere Einflüsse, die das Burnout-Risiko erhöhen können (3).

  • Überlastung bei der Arbeit: Es muss nicht immer der klassische Workaholic sein – Überlastungen entstehen auch auf anderen Wegen. Ein unfairer Vorgesetzter, zu viele Überstunden, ständige Erreichbarkeit auch in der Freizeit und vieles mehr tragen dazu bei.
  • Konflikte bei der Arbeit: Mobbing oder ein ungelöster Konflikt mit Vorgesetzten oder Kollegen erhöht das Burnout-Risiko.
  • Schlechte oder fehlende Führung: Idealerweise leiten Vorgesetzte ihre Mitarbeiter konstruktiv an und motivieren sie. Sind jedoch Ziele unklar definiert oder wird ein destruktiver Führungsstil angewendet, steigt das Burnout-Risiko bei den Mitarbeitern.
  • Fehlende Anerkennung: Jeder von uns möchte Anerkennung und Lob. Deshalb frustriert uns großer Arbeitseinsatz ohne jede Anerkennung. Das begünstigt das Ausbrennen.
  • Konflikte zwischen Werten, Überzeugungen und Anforderungen: Wer entgegen seiner inneren Werte und Überzeugungen arbeitet, erzeugt eine sehr belastende Diskrepanz zwischen den beruflichen Anforderungen und den eigenen Wünschen oder ethischen Vorstellungen.
  • Bürokratische Hindernisse: Werden Arbeitstätigkeiten ständig durch Anträge, Genehmigungen oder unnötig umfangreiche bürokratische Hindernisse blockiert, kann das auf Dauer zermürben.
  • Unsichere Zukunft: Belastend ist auch, wenn du dich von einem befristeten Job zum nächsten hangelst, von einer möglichen Kündigung betroffen bist oder keinerlei Zukunftschancen oder Entwicklungsmöglichkeiten mehr in deiner Firma hast.
  • Unbefriedigende Tätigkeiten: Wer ständig unterfordert ist, nicht seiner Ausbildung entsprechend eingesetzt wird oder nur ungeliebte Tätigkeiten durchführen muss, brennt schneller aus.
  • Enttäuschungen oder falsche Erwartungen: Ein neuer Job, ein neuer Chef, der Arbeitsbeginn oder ein Umzug kann zur großen Belastung werden, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden und die Veränderung zur Enttäuschung wird.
  • Belastungen im Privatleben: Belastungen im Job werden zu einem höheren Risikofaktor, wenn nebenher auch noch Belastungen im Privatleben auftreten oder sozialer Rückhalt fehlt.

Erkenne das Burnout - mache den Selbsttest

Wie erkennt man Burnout? Dabei solltest du vor allem auf frühe Anzeichen achten, um rechtzeitig reagieren zu können. Ein Burnout verläuft oft in ganz typischen Phasen. Diese müssen nicht genauso und nicht in dieser Reihenfolge ablaufen, wie hier angegeben. Es muss auch nicht der Fall von Burnout in eine Depression münden. Diese typischen Phasen und Reaktionen können dir aber einen guten Eindruck geben, wie ein möglicher Verlauf eines Burnouts aussehen kann, wenn du nicht gegensteuerst:

Auch interessant:  Die besten Morgenrituale – Gut gelaunt in den Tag starten!

Phase 1: Die Anfangsphase

In der Anfangsphase stecken Betroffene oft viel Energie in ihre Aufgaben, zum Beispiel aus Ehrgeiz, aus Idealismus oder aus der Not heraus (zu wenig Mitarbeiter). Manchmal liegen auch Mehrfachbelastungen im Job und Privatleben vor.

Typische Reaktionen: Du hast das Gefühl, nie Zeit zu haben oder unentbehrlich zu sein. Du willst dir selbst und anderen etwas beweisen. Vielleicht schläfst du schlechter. Manchmal hast du kaum noch Zeit und Lust auf Unternehmungen mit Freunden. Du vernachlässigst deine eigenen Bedürfnisse. Unter Umständen wirst du aber auch häufiger krank und fühlst dich manchmal müde.

Phase 2: Frustration und Widerwillen

Bei fortschreitendem Burnout zieht deine Psyche quasi die Notbremse. Das große Engagement kippt oft in das Gegenteil.

Typische Reaktionen: Du fühlst dich enttäuscht, wenn deine Arbeit nicht gewürdigt wird. Du reagierst öfters gereizt oder zynisch. Vielleicht entwickelst du einen regelrechten Widerwillen gegen die Arbeit, bekommst Magenschmerzen oder Kopfschmerzen. Du tust nur noch das Nötigste. Auch im Privaten fehlt dir immer öfter die Geduld.

Phase 3: Emotionale Reaktionen

Weicht dein großes Engagement immer mehr der Frustration, treten oft starke emotionale Reaktionen auf.

Typische Reaktionen, je nach individueller Persönlichkeit: Du machst dir selber oder anderen große Vorwürfe. Du wirst depressiv oder niedergeschlagen. Du fühlst dich antriebslos und innerlich leer oder als Versager. Oder du reagierst aggressiv, launisch und ungeduldig. Möglicherweise entwickelst du auch Ängste.

Phase 4: Abbau und weniger Leistung

Irgendwann lässt sich das Arbeitspensum aufgrund des Burnouts nicht mehr bewältigen und die Leistung lässt nach.

Typische Reaktionen: Du machst immer häufiger Fehler oder vergisst Dinge. Du hast weniger kreative Ideen und es fällt dir schwer, Entscheidungen zu treffen. Du hast keine Kraft mehr, um Veränderungen motiviert umzusetzen. Du fühlst dich oft müde, erschöpft und hast das Gefühl, mehr Pausen zu benötigen. Nach den Pausen bist du aber meist nicht erholter als vorher.

Phase 5: Sozialer Rückzug und Desinteresse

Nicht nur im Job, auch im Privatleben kommt es zu einem Rückzug und zu Antriebslosigkeit. Hier beginnt oft der Übergang zu einer Depression.

Typische Reaktionen: Du gibst Hobbys auf. Du machst weniger oder gar keinen Sport mehr. Du schränkst den Kontakt zu Freunden oder der Familie immer mehr ein. Du fühlst dich antriebslos und hast keine Lust auf soziale Kontakte. Was dir früher Spaß gemacht hat, interessiert dich nicht mehr. Im Beruf erscheinen dir viele Tätigkeiten sinnlos und frustrierend.

Phase 6: Körperliche Symptome

Bereits von Phase 1 an können körperliche Beschwerden auftreten, die mit dem Burnout zusammenhängen.

Typische Reaktionen: Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden (Erbrechen, Durchfall, Blähungen), Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Muskelverspannungen oder Rückenschmerzen. Vielleicht hast du keine Lust mehr auf Sex, wirst häufig krank oder dein Gewicht ändert sich (Abnahme oder Zunahme). Vielleicht steigt dein Blutdruck, du hast Herzklopfen oder das Gefühl, nicht richtig atmen zu können. Oder du konsumierst vermehrt Nikotin, Alkohol, Koffein, möglicherweise auch Drogen.

Phase 7: Völlige Verzweiflung

Letztendlich kann ohne Gegenmaßnahmen aus einem Burnout eine schwere Depression werden. Diese ist nicht selten mit Suizidgedanken verbunden. Darum ist es wichtig, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen.

Vorbeugung und Behandlung von Burnout

Wenn du dich selber oder nahestehende Menschen in den obigen Beschreibungen wiederfindest, ist es Zeit zu handeln. Denn es muss nicht zwingend zu einer stetigen Verschlimmerung kommen. Oft reichen bereits kleine Änderungen, um die Abwärtsspirale nachhaltig aufzubrechen. Dabei gibt es viele Dinge, die du an dir selbst ändern kannst. Aber auch die Änderung der äußeren Umstände ist oft möglich.

Im Artikel "Hilfe bei Burnout und Stress" von Matthias Exl (Buchtipp zum Thema Burnout: Befreie dich selbst!: Über die Kunst eines erfüllten Lebens) findest du Tipps, wie du frühzeitig vorbeugen kannst und weitere inspirierende Gedankenanstöße. Sandra Exl hat die folgenden Artikel (inklusive Video) geschrieben, die der Vorbeugung des Burnouts dienen:

Wann solltest du zum Arzt gehen?

Bei allen Anzeichen eines Burnouts, auch im frühesten Stadium, ist ein Gang zum Arzt sinnvoll. Oft ist hier der Hausarzt des Vertrauens ein guter Ansprechpartner. Ein Arztbesuch oder ein Termin bei einem Psychotherapeuten ist auf jeden Fall dringend anzuraten, wenn bereits schwerere Symptome wie Erschöpfung, Schlafstörungen und Antriebslosigkeit vorliegen. So kannst du verhindern, dass eine Depression entsteht.

Buchtipps zum Thema Burnout

Unser Geschenk an dich: Leitfaden zur Detoxkur

Für jene Menschen, die selbständig eine Detoxkur durchführen wollen, haben wir einen exzellenten kostenlosen Leitfaden mit 23 Seiten zusammengestellt. Es hat sich für viele Menschen als vorteilhaft herausgestellt, den Körper und auch die Seele von Zeit zu Zeit etwas zu entlasten. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, welche wir dir hier zeigen! Trage dich hier ein, wenn du über neue Artikel von uns informiert werden willst, inklusive Gratisdownload des Leitfadens zur Detoxkur.

Alternativ kannst du uns auf folgenden sozialen Kanälen folgen:  InstagramPinterestFacebookYouTubeTwitterGoogle+ Profil.

Quellenangaben

  1. Bundes-Psychotherapeuten-Kammer: BPtK-Studie zur Arbeitsunfähigkeit - Psychische Erkrankungen und Burnout. 2012.
  2. Rothe I, et al. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt - Wissenschaftliche Standortbestimmung. 2017.
  3. Maslach C, et al. Job burnout. Annu Rev Psychol. 2001;52:397-422.
Teile diesen Beitrag und unterstütze unsere Arbeit!