Ein wunderschöner See, Sonnenschein und Wälder

Entspannung in der Natur

in Seele von Dr. Silvia Nold

Artikel aktualisiert am 07.10.2018

Hast du dich schon einmal gefragt, warum Natur eigentlich so entspannend auf uns wirkt? Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, warum wir uns draußen im Grünen so wohl fühlen. Vor allem, wenn wir die Natur voller Achtsamkeit genießen.

Viele Menschen merken intuitiv, dass ihnen ein Aufenthalt in der Natur guttut, sie „erdet“ und entspannt. Das ist in der heutigen Zeit, in der wir oft von Hektik und Stress umgeben sind, besonders wichtig. In einer großen Onlineumfrage („Rest Test“) wurden 2015 über 18.000 Menschen aus 134 Ländern befragt (1). Thema war unter anderem, welche Entspannungsmöglichkeiten die Befragten am liebsten nutzen. Lesen lag mit 58 Prozent weltweit auf Platz eins. Danach, mit gut 50 Prozent, folgte der Aufenthalt in der Natur.

Doch warum fühlen wir uns im Grünen so wohl und entspannt? Das hat eine Reihe von Gründen und es gibt dazu spannende Erkenntnisse aus der Forschung. Sonnenlicht, Naturgeräusche, die Abwesenheit von Autos und Lärm – das alles hat einen ganz eigenen und sehr entspannenden Effekt auf unsere Psyche.

Warum uns Natur so entspannt

Unsere Vorfahren verbrachten einen großen Teil des Tages im Freien. Die Wirkung, die Pflanzen, frische Luft und Sonnenlicht auf Körper und Psyche haben, ist deshalb evolutionär tief in uns verankert. Die meisten von uns spüren im Inneren, wie gut der Aufenthalt in der Natur tut. Doch auch viele Studien und psychologische Untersuchungen bestätigen das.

Aufenthalt im Freien ist ein Immun-Booster

Wer häufiger draußen in der Natur unterwegs ist, wird seltener krank. Das hat viele Gründe. Die Anpassung an wechselnde Temperaturen regt das Immunsystem an. Bewegung stärkt Herz, Kreislauf und Immunsystem. Auch die Sonne trägt ihren Teil bei. Sie sorgt für eine ausreichende Bildung von Vitamin D in der Haut, das wichtig für die Funktion des Immunsystems und die Bekämpfung von Krankheitserregern ist (2). Japanische Forscher beschäftigten sich mit dem Effekt des „Waldbadens“, auf Japanisch „shinrin-yoku“. Das sind Ausflüge in den Wald, die in Japan als eine Art natürliche Aromatherapie betrachtet werden. Nach einem Spaziergang im Wald stiegen die natürlichen Killerzellen messbar an (3). Diese Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen und bekämpfen Tumorzellen und virusinfizierte Zellen. Also ein guter Grund für uns, öfter einmal einen „shinrin-yoku“ zu machen. Wenn du mehr über die Stärkung deines Immunsystems erfahren willst, findest du hier Tipps zur Unterstützung deines Immunsystems.

Die Sonne, die durch die Blätter eines großen Baumes scheintSonnenlicht hebt die Stimmung

Im Winter, wenn die Tage kurz sind und es nur wenige Sonnenstunden gibt, bemerken viele Menschen Veränderungen. Sie haben weniger Antrieb, Heißhunger auf Süßigkeiten und benötigen mehr Schlaf. In manchen Fällen kann sogar eine Winterdepression entstehen, also eine saisonale depressive Störung, deren Symptome im Sommer wieder völlig verschwinden. Es gibt zwei Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Zum einen sinkt im Winter der Vitamin-D-Spiegel, was depressive Verstimmungen begünstigen kann. Zum anderen hat das fehlende Licht und die kurze Tageslänge auch eine Wirkung auf Hormone und Neurotransmitter. In der dunklen Jahreszeit produzieren wir mehr Melatonin, das müde macht, und weniger Serotonin (das sogenannte Glückshormon). Es lohnt sich also, Sonnenstunden möglichst zu nutzen und bei Tageslicht Zeit im Freien zu verbringen.

Aufenthalt in der Natur bewirkt positive körperliche und psychische Effekte

Forscher der Universität Essex zeigten, dass ein Aufenthalt im Freien und „green exercise“ (also Sport in der Natur) das Selbstwertgefühl und die Stimmung steigert (4). Sie fanden auch heraus, dass dafür schon kurze Aufenthalte im Grünen ausreichen. Eine Gruppe von Umweltpsychologen aus Wien untersuchte ebenfalls die Effekte, die der Wald auf Körper und Psyche hat (5). Sie verglichen dabei eine Vielzahl von Studien und konnten die positiven Auswirkungen auf die Psyche bestätigen. Neben den psychischen Auswirkungen berichten sie aber auch über viele messbare, positive körperliche Effekte. Stresshormone, Puls und Blutdruck sinken und die Muskeln entspannen sich nach einem Aufenthalt im Wald.

Falls du unter zu hohem Blutdruck leidest, können neben regelmäßiger Bewegung in der Natur noch andere Maßnahmen helfen. Wir haben in einem weiteren Artikel zusammengefasst, wie du den Blutdruck mit natürlichen Mitteln senken kannst.

Naturgeräusche wirken entspannend

Es ist schon seit langem bekannt, dass Naturgeräusche einen beruhigenden Einfluss auf Menschen haben und Stress abbauen können. Um diesen Effekt genauer zu untersuchen, spielten Forscher Testpersonen über Kopfhörer künstliche Geräusche und Klänge aus der Natur vor. Tatsächlich änderten sich bei den Naturgeräuschen (und nicht bei den künstlichen Geräuschen) verschiedene Faktoren. Die Konzentrationsfähigkeit steigerte sich, während Stressindikatoren sanken (6, 7). Aktuell untersuchen Ärzte, ob sich Naturgeräusche auch im Krankenhaus einsetzen lassen, zum Beispiel um Patienten während belastender Behandlungen oder Untersuchungen zu beruhigen.

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Achtsamkeit: Natur ganz bewusst genießen

Es gibt also sehr viele Faktoren, die die Natur für uns zu einem idealen Ort für Sport und Entspannung machen. Diese Studiendaten finde ich persönlich sehr spannend. Aber natürlich wussten wir auch schon vorher ganz intuitiv, wie wohltuend sich die Natur auswirkt. Wenn wir voller Ehrfurcht auf Berge, Wälder oder Landschaften blicken, kann uns das auf den Boden zurückbringen und bewusst machen, was wirklich zählt. Wir fühlen uns eins mit der Schöpfung und der Natur.

Wichtig ist dabei jedoch auch die Achtsamkeit. Wenn du draußen in der Natur bist, solltest du diese auch mit allen Sinnen erleben. Nimm Gerüche und Geräusche, Farben, Wind und Sonne ganz bewusst wahr. Denn der bloße Aufenthalt in der Natur ist nicht immer automatisch entspannend. Machst du einen Waldspaziergang und denkst dabei nur an das Meeting, das du am nächsten Morgen bei der Arbeit hast, dann blockierst du damit viele der positiven Naturwirkungen. Oder, wie es der buddhistische Mönch Haemin Sunim in seinem Buch (siehe Buchtipps unten) ausdrückt: „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“.

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Buch- und CD-Tipps zum Thema Natur

Quellenangaben

  1. http://hubbubresearch.org/rest-test-results/
  2. Von Essen MR, et al. Vitamin D controls T cell antigen receptor signaling and activation of human T cells. Nat Immunol 2010;11(4):344-9.
  3. Li Q. Effect of forest bathing trips on human immune function. Environ Health Prev Med. 2010 Jan; 15(1): 9–17.
  4. Barton J and Pretty J. What is the Best Dose of Nature and Green Exercise for Improving Mental Health? A Multi-Study Analysis. Environ. Sci. Technol., 2010, 44 (10), 3947–3955.
  5. Renate Cervinka, et al. Zur Gesundheitswirkung von Waldlandschaften; Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft, Wien, 2014, BFW-Berichte 147.
  6. Alvarsson JJ, et al. Stress Recovery during Exposure to Nature Sound and Environmental Noise. Int. J. Environ. Res. Public Health 2010, 7(3), 1036-1046.
  7. Gould van Praag CD, et al. Mind-wandering and alterations to default mode network connectivity when listening to naturalistic versus artificial sounds. Sci Rep. 2017 Mar 27;7:45273.
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