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„Reizdarm“ - mein (Leidens-)Weg

Ich möchte aufgrund der Tatsache, dass ich beim erstmaligen Verstehens meines „Problems“ wenig Infos für mich, bzw. zu viele Infos im Internet fand, hier einfach meinen Weg der letzten 3 Jahre veröffentlichen. Vielleicht hilft es ja jemandem der sich mit der Sache auch rumschlagen muss.

Ich bin männlich, damals Ende dreißig. Stehe mitten im Familien- und Berufsleben. Tolle Familie, geiler Beruf, eigenes Haus. Alles was ich brauche um glücklich zu sein. Viele Freunde und Bekannte, stehe sozial sehr gut da wie ich finde. Wenn jemand was von mir will, so sage ich nie nein. Ich mache es allen irgendwie recht. Im Job sind acht Arbeitsstunden ja normal, aber ich gönne mir öfters auch mal 10 – 11 Stunden. Ja der Job macht mir halt Spaß und funktionieren muss man ja heutzutage auch irgendwie.

Schicksalsschläge wie Todesfälle im Familien- sowie Bekanntenkreis gehören zum Leben dazu. Auch diese kreuzen meinen Weg.

Aber kommen wir zu meinen letzten drei Jahren.

Zurückblickend hat alles im Jahr 2016 angefangen. Wann genau kann ich nicht sagen. Situationen im Beruf oder bei privaten Unternehmungen in denen ich plötzlich innerhalb von wenigen Minuten auf Toilette musste, kamen in sehr großen Abständen (monatlich). Unterleibsschmerzen mit Durchfall nahm ich Anfangs nicht wirklich ernst. Meist schob ich es auf meine Ernährung. Imbiss, Fastfood u.s.w. waren durch meinen Beruf nicht unumgänglich.

Die ersten merkbaren Probleme kamen dann Mitte 2017. Anfangs vereinzelt wöchentlich, dann täglich, plagte ich nicht mit dem Gefühl ständig auf Toilette zu müssen. Tat ich dies, passierte zu 90% nichts. Nur das Gefühl mit Unterleibsschmerzen war da. Ein scheiß Zustand und ich wusste nicht warum.

Also ab zum Hausarzt. Stuhlprobe, Blutprobe u.s.w., das kleine Programm. Eine Woche später die Auswertung. Kerngesund! Da verstehst die Welt nicht mehr. Mein Hausarzt überwies mich zum Internisten, Ultraschal, abtasten. Nix. Was nix? Doch, irgendetwas stimmt mit mir nicht.

Nächste Überweisung, nun zum Gastroenterologen. Darmspiegelung. Ich war damals an einem Punkt wo ich mir wünschte das der Arzt was findet. Ich wollte einfach Klarheit über meine Krankheit haben. Auch hier kein Befund. Kerngesund, so wie es sein soll.

Das kann doch nicht wahr sein. Ich habe massive Darmprobleme und bin kerngesund? Diese Untersuchungen zogen sich über ca. 6 Wochen. Auch Medikamente wie Mutaflor oder Darmkuren, Ernährungsumstellung bzw. Verzicht auf einzelne Nahrungsprodukte halfen nichts.

Ich wollte mein Haus nicht mehr verlassen, hatte Angst plötzlich wieder auf Toilette zu müssen und unter Umständen keine zu finden. Die Abstände zwischen dem Einsetzen des Gefühls zu müssen und dem möglichen Stuhlgang, wenn es denn klappte, waren teilweise Sekundensache. Und das in Verbindung mit Rumoren und Gluckern im Darm. Eine scheiß Zeit.

Ich zog mich massiv zurück. Keine Familienausflüge, im Job nur noch Büroarbeit und immer der Gedanke - „was ist wenn?“.

Ich schleppte mich mit mehreren Krankzeiten bis Mitte November so durch. Und dann kam was vermutlich kommen musste. An einem Novemberwochenende brach ich psychisch etwas zusammen. Von Freitag Nachmittag bis Montag früh befand ich mich im Couchmodus. Kein Elan, keine Energie, kein Bock auf nix. Meine Frau setzte mir die Pistole auf die Brust und sagte, wenn ich mir jetzt keine psychologische Hilfe Holfe, so weißt sie mich in eine psychiatrische Einrichtung ein. Ich versprach ihr Hilfe zu suchen. Am darauffolgenden Montag war ich zwar pünktlich 8.00 Uhr auf Arbeit, saß aber 1 Stunde sinnlos an meinem Platz. Ich fragte mich zu diesem Zeitpunkt warum ich früh überhaupt noch aufstehe. Ich war etwas am Ende. Ich konnte nicht mehr, ging zum Arzt, erzählte ihm von meinem letzten Wochenende und auf meinem Krankenschein stand „leichte depressive Episode, Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe“.

Ich suchte mir eine Psychologin und dank meines Arbeitgebers konnte ich vormittags während meiner Arbeitszeit zu den Sitzungen gehen. Ihr Thema war Verhaltenspsychologie. Mir tat das verdammt gut über mein Problem zu reden. Dies konnte ich weder mit meiner Frau noch sonst wem. Meine Psychologin versetzte sich gut in meine Lage, informierte sich z.B. im Buch „Darm mit Charme“ und half mir gut über die Zeit. Es trat eine deutliche Verbesserung meiner Umstände ein. Sie rat mir eine Kur/Reha zu beantragen. Dies hatte ich Ende September 2017 bereits bei der Rentenversicherung getan. Und damit kommen wir zu einem weiteren schwierigen Weg meiner Leidensgeschichte.

Ende September 2017 beantragte ich eine Reha bei der RV, schilderte meine ganze Problematik, steckte alle Befunde, Krankenscheine u.s.w. mit zum Antrag und wartete auf eine positive Entscheidung. Die Antwort der RV kam dann am 30.10.2017. Ergebnis: abgelehnt. Es bestände bei mir kein Grund für eine Rehabilitation. Und diese Diagnose bekam ich, ohne das mich ein Amtsarzt der RV je gesehen hat. Das war auch ein Grund für meine depressive Episode Mitte November. Meine Psychologin rat mir unbedingt zum Widerspruch. Okay, wieder Briefschreiben. Aber klar, warum nicht. Mir geht es scheiße.

Widerspruch abgeschickt und warten auf Antwort. Nach 7 Tagen ein Brief von der RV das mein Widerspruch eingegangen ist. Zwischen diesem Brief und der erneuten Ablehnung vergingen fast 7 Wochen. Zwei Ablehnungen weil ich nix habe, obwohl mit mir was nicht stimmt?

Jetzt erst recht. Zum Glück habe ich eine Rechtsschutzversicherung. Und diese nahm ich in Anspruch. Rechtsanwalt gesucht, gefunden, Termin gemacht (Februar 2018) und ihm alles übergeben. Es vergingen 9 weitere Monate, zwischendurch immer mal Infos vom Anwalt wie der aktuelle Stand so ist und dann war wieder November. Ein Brief von der RV. Und der war diesmal positiv. Ja, ich bekomme eine Reha. Diese habe ich März 2019 dann angetreten. 5 Wochen psychosomatische Rehabilitation. Und das waren die Widersprüche und der Gang zum Anwalt mehr als Wert. Die Zeit tat mir sowas von gut und hat mir viel gebracht.

Psychologische Einzel- und Gruppengespräche, Bewegungstherapie, Entspannungen und andere Therapien haben mir sehr viel über mich selbst gezeigt. Eine Zeit die ich nicht missen möchte. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Patienten half mir gut.

Ich habe seit 4-6 Wochen keinerlei psychische und körperliche Probleme mehr.

Ich sage seit meiner Reha des öfteren wenn jemand was von mir will, auch mal nein. Ich mache nur noch selten Überstunden auf Arbeit, fahre viel Rad und Entspanne mir auch mal mit einer Meditations-CD daheim. Ich funktioniere immer noch, nur halt anders. Und es tut mir gut.

Ich habe sicherlich das Ein oder Andere vergessen. Aber das Wichtigste ist glaub ich hier niedergeschrieben.

Hallo Max,

danke für deine offenen Zeilen. Dieser Bericht kann vielen Hoffnung machen, dass die richtige psychologische Betreuung das vegetative Nervensystem und somit einen Reizdarm beruhigt. Schön, dass es dir so viel besser geht!

Lieben Gruß,

Sandra

Hey Max,

auch ich danke dir für deine Offenheit. Ich bin fasziniert von deiner Geschichte. Als Biochemikerin bin ich fasziniert von dem Zusammenspiel zwischen Psyche und Körper. Es freut mich sehr, dass es dir besser geht.

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem weiteren Lebensweg.

Danke euch 2en.

Wenn mir jemand vor 4 Jahren gesagt hätte, dass das menschliche Hirn mir anderen Organen zusammenarbeiten kann um zu sagen "bis hier her und nicht weiter", so hätte ich sicherlich mit einem Lächeln abgewunken. Aber heute sehe ich das etwas anders.

Was ich in meiner Ausführung vergaß, ich bekam im Oktober 2016 an einem Sonntag Abend plötzlich sehr starke Kopfschmerzen. Diese zogen sich mit leichter Linderung über 3 Wochen hin. Ungelogen 3 Wochen Dauerkopfschmerz. MRT und CT waren natürlich befundfrei.

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  • Hauptbild Gesundheit für Körper und Seele: Chamille White | Shutterstock.com