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Woran lässt sich Selbsterkenntnis festmachen?

Lieber Matthias,

Da ich mich intensiv mit dem Thema Selbstfindung beschäftige, verfolge ich mit großem Interesse ihre Blogeinträge bzw. Videos. (Ich studiere Psychologie und habe selbst eine lange Phase der Selbstfindung hinter mir.) In ihrem Video "Der Weg zu Selbstliebe und Selbstvertrauen" sagen sie bei Minute 9:00, dass Selbsterkenntnis nur erfahren werden kann. Sie sagen zwar, diese Erfahrung wäre schwer in Worte zu fassen, aber wäre es ihnen trotzdem möglich, mir diesbezüglich ein paar Eindrücke zu schildern?

Interessant ist die Frage, woran sich Selbsterkenntnis überhaupt festmachen lässt. Die Antworten, auf die ich bislang gestoßen bin wären folgende:

1) Die eigene, individuelle Identität drückt sich einmal durch ein Gefühl aus. Ich selbst fühle mich auf eine bestimmte Weise an. Das, als was ich mich spüre, meine innere Schwingung ist Ausdruck meiner Identität.

2) Daneben lässt sich durch die Erfahrungen, die eine Seele eingeht, bzw. die Fähigkeiten, die sie hat, etwas über ihre Identität aussagen. Meine Identität drück sich also auch durch das aus, was ich tue.

3) Drittens findet die Identität noch in ihrer Außenwirkung Ausdruck. Dadurch, wie ich als Wesen von anderen wahrgenommen werde und dadurch wie die schöpferischen Dinge, die ich hervorbringe, durch mein Wesen eingefärbt werden.

Z.B.: Ein Klavierspieler lässt, wenn er ein Stück spielt, sein Wesen, seine Schwingung in das Stück einfließen - es hört sich (bis zu einem gewissen Grad) nach ihm an. Die Bilder eines Malers spiegeln sein Wesen wieder, die Texte eine Schriftstellers,....

Es würde mich freuen, zu erfahren, wie sie zu meinen Antworten stehen, woran sie selbst festmachen und - wie bereits erwähnt - wie sie selbst Selbsterkenntnis erleben.

Was hat einer, der sich selbst erkannt hat, das einer ohne Selbsterkenntnis nicht hat?

Geht es um ein kognitives Verstehen des eigenen Selbstes und ein Kennen der Identitäts- Gefühle, die aus dem eigenen Inneren herauskommen (mir ist bewusst: ich bin nicht meine Gefühle – ich habe sie nur, aber dennoch sind meine Gefühle ein Ausdruck meines Selbstes)? Oder geht es darum, zu erkennen, was die Seele ist, wie wir glücklich sein können und wie wir leben sollen?

Und wozu überhaupt Selbstfindung? Welchen Nutzen, welchen Vorteil bringt es uns, uns selbst zu erkennen? Was in unserem Leben ist nach einer gelungenen Phase der Selbstfindung anders als davor?

Liebe Grüße,

Philipp

Lieber Philipp,

vielen Dank für die wertvollen Zeilen und wichtigen Fragen. Ich kopiere einmal ein paar Dinge aus der Nachricht heraus und kommentiere diese:

"Die eigene, individuelle Identität drückt sich einmal durch ein Gefühl aus. Ich selbst fühle mich auf eine bestimmte Weise an. Das, als was ich mich spüre, meine innere Schwingung ist Ausdruck meiner Identität."

Ja, dies sehe ich auch so. Wobei es "für mich" nicht nur das Gefühl ist, sondern jeder Gedanke der mit "Ich" beginnt. "Mein" Gedanke, "Meine" Gefühle, "Mein" Sein... Es ist sozusagen das, was mich als eigenständiges Individuum ausmacht.

"Daneben lässt sich durch die Erfahrungen, die eine Seele eingeht, bzw. die Fähigkeiten, die sie hat, etwas über ihre Identität aussagen. Meine Identität drück sich also auch durch das aus, was ich tue."

Ja, auch das sehe ich so. Meine Gedanken, Worte und Taten sind eine Widerspiegelung meines momentanen Erkenntnisstandes.

"Drittens findet die Identität noch in ihrer Außenwirkung Ausdruck. Dadurch, wie ich als Wesen von anderen wahrgenommen werde und dadurch wie die schöpferischen Dinge, die ich hervorbringe, durch mein Wesen eingefärbt werden."

Auch dies entspricht meiner Erfahrung: Es gibt eine Quelle allen Seins, die wie ein Licht durch einen Projektor strahlt, der wir sind. Wir verfärben das Licht mit unserem persönlichen Filter und erleben eine Projektion auf einer Wand, die unsere subjektive Wahrnehmung ist.

"Was hat einer, der sich selbst erkannt hat, das einer ohne Selbsterkenntnis nicht hat?"

In dem Bild des Projektors und der Wand besteht die Möglichkeit, dass der Filter (also der Projektor) eine sehr gesäuberte Linse hat. Dies wäre ein Zustand der Selbsterkenntnis. Die Projektion ist in der Wahrnehmung nun der ursächlichen Lichtquelle schon sehr nahe. Selbsterkenntnis im ersten Schritt offenbart, dass das Wahrgenommene relativ ist. Es wird klar, dass es nicht einmal jene "objektive Realität" gibt, denn selbst diese ist lediglich eine Projektion. Der große Schritt ist aber die Erkenntnis, dass selbst der Projektor nicht real ist. Und hier zeigt sich, dass diese "Erfahrung" niemals vom Projektor gemacht werden kann. Deswegen ist auch jede Schilderung eigentlich ein Beweis für Nichterfahrung.

"Geht es um ein kognitives Verstehen des eigenen Selbstes und ein Kennen der Identitäts- Gefühle, die aus dem eigenen Inneren herauskommen (mir ist bewusst: ich bin nicht meine Gefühle – ich habe sie nur, aber dennoch sind meine Gefühle ein Ausdruck meines Selbstes)? Oder geht es darum, zu erkennen, was die Seele ist, wie wir glücklich sein können und wie wir leben sollen?"

Das kognitive Verstehen ist ein wichtiges Mittel zur eigenen "Dekonstruktion". Folglich muss auch irgendwann der Prozess des kognitiven Verstehens losgelassen werden. Und selbst der, der losgelassen hat muss aufhören, über das Loslassen zu reflektieren. Es geht also darum, jede Form von Egoperspektive zur Ruhe zu bringen. Dies kommt einem Abschalten des Projektors gleich. Doch was geschieht in diesem Moment mit "mir"? Höre ich auf zu existieren? Wer bin ich, wenn Gedanken und Emotionen völlig zum Stillstand kommen?

"Und wozu überhaupt Selbstfindung? Welchen Nutzen, welchen Vorteil bringt es uns, uns selbst zu erkennen? Was in unserem Leben ist nach einer gelungenen Phase der Selbstfindung anders als davor?"

Jeder Mensch ist am Weg der Selbstfindung - vielen ist es einfach nicht bewusst. Jede Form von Selbstreflexion ist bereits ein Weg der Selbsterkenntnis. Problematisch sind oftmals genau jene Menschen, die meinen, den Stein der Weisen gefunden zu haben: Denn Scheinspiritualität führt zu Rechthaberei, Besserwisserei, Verurteilungen, Selbstgerechtigkeit, Selbstgefälligkeit, Überheblichkeit und weitere problematische Eigenschaften. Gleichzeitig schwindet die Lebensfreude. Gelebte Selbstreflexion führt zur wahren Lebensfreude: Diese nimmt viele Dinge nicht mehr so ernst, das spielerische Wesen des Seins offenbart sich mehr und mehr.

Dies ist "mein" momentaner Erkenntnisstand am Weg, der keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit erhebt...

Herzliche Grüße,

Matthias


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