Hautpflege Tipps: Was bedeutet richtige und natürliche Pflege?

Bei Hautpflegeprodukten ist die Auswahl riesig. Was sind gute Wirkstoffe in Pflegecremes und was sollte auf keinen Fall enthalten sein? Hier erfährst du, was nachweislich gegen Falten hilft und wie du deine Haut von außen und innen optimal pflegen kannst.

Wenn es um Hautpflege geht, ist das Angebot unglaublich umfangreich. Unzählige Produkte, eine Vielzahl an Inhaltsstoffen und blumige Werbeversprechen machen die Entscheidung schwer. Tagescreme, Nachtcreme, Augencreme, Serum, Cleanser, Gesichtsmasken, Bodylotion, Nahrungsergänzungsmittel und vieles mehr – doch was davon braucht man wirklich? Welche Inhaltsstoffe wirken wirklich (nachweislich) gegen Falten? Und welche Zusätze in Kosmetik sind eher bedenklich oder schlicht und einfach unwirksam?

Die Haut und ihre Funktion

Unsere Haut ist ein komplexes Gebilde und wird auch als das größte Organ des Körpers bezeichnet. Sie umgibt unseren gesamten Körper als schützende Oberfläche. Um zu verstehen, welche Hautpflege ideal ist, sollten wir uns zunächst den Aufbau und die Funktion der menschlichen Haut etwas näher betrachten.

Wie ist die Haut aufgebaut?

Je nach Körpergröße und Körpergewicht hat die Haut eines Menschen eine Fläche von rund eineinhalb bis zwei Quadratmetern. Sie umgibt den gesamten Körper. Wo die äußere in die innere Körperoberfläche übergeht, wird aus der Haut eine Schleimhaut. Die Haut besteht aus mehreren Schichten. Die oberste, sichtbare und fühlbare Schicht der Haut ist die Oberhaut (Epidermis). Sie kommt direkt mit Hautpflegemitteln in Kontakt, die von außen aufgetragen werden. Ob (und welche) Inhaltsstoffe überhaupt in die Tiefe vordringen können, klären wir weiter unten.

Unter der Oberhaut liegt die Lederhaut (Dermis) mit den Talgdrüsen und dem Bindegewebe, das maßgeblich für die Straffheit der Haut verantwortlich ist. Darunter findet sich die Unterhaut (Subcutis) mit einer lockeren Struktur aus Fett und Bindegewebe.

Welche Funktion erfüllt die Haut?

Die Haut erfüllt eine Reihe von wichtigen Funktionen. Zum einen schützt sie den Körper nach außen hin: Vor Wasserverlust durch Verdunsten, vor Schlägen und Stößen, vor Schäden durch Sonnenlicht sowie vor dem Eindringen von Krankheitserregern und Schadstoffen. Zudem spielt die Haut eine wichtige Rolle im Immunsystem und ist der Ort des ersten Kontaktes mit Krankheitserregern und Allergenen.

Das wird sichtbar, wenn es zu Hautreaktionen wie Rötungen, Schwellungen oder Ausschlag kommt. Durch die Abgabe von Schweiß und durch Unterschiede in der Durchblutung dient die Haut außerdem der Wärmeregulation bei Hitze oder Kälte. Nicht zuletzt ist die Haut auch ein Sinnesorgan. Berührungen, Temperatur, Druck und Schmerzen werden durch ein umfassendes Netzwerk feiner Nerven weitergeleitet, so dass wir selbst kleinste Berührungen und Temperaturschwankungen spüren und unterscheiden können.

Was bedeutet richtige Hautpflege?

Eine gute Hautpflege sollte die oben genannten Funktionen der Haut optimal unterstützen. Wenn wir ehrlich sind: Darum geht es jedoch in vielen Fällen nicht, wenn wir Hautpflege kaufen. Häufig steht dahinter eher der Wunsch nach reiner, gut aussehender, straffer und möglichst faltenloser Haut. Beides lässt sich jedoch gut kombinieren. Zum Beispiel ist Feuchtigkeit ein maßgeblicher Faktor für beide Aspekte: Die tägliche Reinigung entzieht der Haut Feuchtigkeit. Zudem wird die Haut im Alter dünner und trockener. Eine gute Versorgung mit ausreichend Feuchtigkeit unterstützt die natürliche Barrierefunktion der Haut und beugt zugleich Falten vor.

Unten findest du einige Beispiele für sinnvolle Inhaltsstoffe und auch Tipps dazu, welche Bestandteile nicht in eine empfehlenswerte natürliche Hautpflege gehören.

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Kann man Falten durch Hautpflege reduzieren?

Früher war Werbung für Hautpflege manchmal irreführend. Es gab zum Beispiel eine Werbekampagne für eine Gesichtscreme, wobei mit „60-prozentiger Faltenreduktion“ geworben wurde. Dahinter steckte, dass 6 von 10 Testerinnen subjektiv beurteilt hatten, dass die Creme sich positiv auf ihre Falten ausgewirkt hätte. Das ist eine komplett andere Aussage. Heute gibt es deshalb strikte Vorgaben für Werbeaussagen. Zahlen müssen mit Studien klar belegt werden. Dennoch ist es auch heute noch so: Nicht jede Creme, auf der „Anti-Falten“ steht, reduziert auch nachweislich Falten.

Kann man denn nun überhaupt Falten durch Cremes reduzieren? Oder zumindest die Entstehung weiterer Falten verlangsamen? Bei der Antwort auf diese Fragen scheiden sich die Geister. Nachdem die Stiftung Warentest 2015 neun Cremes getestet hatte, erhielten alle Produkte die Note mangelhaft. Nach wochenlangem Eincremen einer Gesichtshälfte (auf der anderen Seite wurde eine einfache Feuchtigkeitscreme angewendet) waren keinerlei Unterschiede sichtbar. Das ist auch kein Wunder. Denn immerhin ist die Hautalterung ein sehr individueller und außerdem auch höchst komplexer Prozess. Eine Vielzahl innerer und äußerer Faktoren trägt zur Bildung von Falten bei (1). Darum lassen sich nur wenige Fakten ganz klar nachweisen:

  • Der Lebensstil hat mehr Einfluss auf die Hautalterung und Hautstruktur als äußerliche Hautpflege (mehr dazu unten).
  • Jede Haut ist anders. Was bei einem Menschen gut verträglich ist und gut gegen Falten wirkt, kann bei Anderen unwirksam sein oder Irritationen auslösen.
  • Hautalterung lässt sich nicht rückgängig machen. Tiefere Falten tatsächlich (ohne Injektion von Fillern, Botox oder durch ein Facelifting) loszuwerden, funktioniert also leider nicht.
  • Feine Fältchen lassen sich zum Teil durch eine gute Feuchtigkeitsversorgung und bestimmte Inhaltsstoffe abmildern. Mehr zu sinnvollen Inhaltsstoffen, UV-Schutz und Antioxidantien kannst du unten nachlesen.
  • Vorsorge kann die neue Bildung von Falten reduzieren. Der Lebensstil und die richtige Hautpflege spielen dabei zusammen.

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Wie sieht richtige Hautpflege aus?

Die richtige Hautpflege zu finden, ist schwer. Zudem ist jede Haut anders und Hautpflege deshalb immer sehr individuell. Hier findest du einige Tipps, mit denen du die perfekte Hautpflege und die für dich passenden Inhaltsstoffe auswählen kannst.

Wie viel Pflege braucht die Haut?

Hand aufs Herz: Wie viele Cremes, Duschgels, Gesichtsreiniger und sonstige Hautpflegemittel stehen in deinem Badezimmer? Wenn es nach Experten geht: Meist zu viele. Manche Empfehlungen gehen sogar so weit, dass Waschen mit Wasser eigentlich Pflege genug für das Gesicht ist.

Im Alltag wird unsere Haut jedoch stark belastet. Trockene Luft, Sonne, Kälte oder heißes Bade- und Duschwasser muss die Haut verkraften. Abgase, Feinstaub und Schweiß lagern sich auf der Haut ab. Darum ist eine tägliche Reinigung des Gesichts wichtig. Das gilt besonders, wenn Make-up oder getönte Cremes aufgetragen werden. Allerdings entzieht jede Reinigung, ist sie auch noch so mild und seifenfrei, der Haut Fett und Feuchtigkeit (2).

Diese sollte man deshalb mit der passenden Creme zurückgeben. Wissenschaftler aus Schweden konnten zeigen, dass die Verwendung von feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukten die Barrierefunktion der Haut messbar unterstützt (3). Auch deinen Körper solltest du regelmäßig eincremen. Wenn du keine besonders trockene Haut hast, reicht es in der Regel, sich zweimal pro Woche am ganzen Körper einzucremen.

Du solltest jedoch auch daran denken, dass eine zu intensive Reinigung die natürliche Hautflora schädigen kann. Auf unserer Haut leben zahlreiche Bakterien, die wichtig sind und die Ansiedlung von hautschädigenden Pilzen und Bakterien verhindern. Darum gilt: Nicht zu oft waschen, nicht zu lange waschen und das Wasser sollte nicht zu heiß sein. Peelings können die Hautflora zu einem großen Teil entfernen und sollten daher nicht zu häufig angewendet werden.

Pflege für verschiedene Hauttypen

Für die Auswahl der richtigen Pflege ist der Hauttyp wichtig. Mischhaut, trockene Haut, unreine Haut und leicht fettende Haut haben unterschiedliche Bedürfnisse. Allerdings ist der Hauttyp oft nicht leicht zu erkennen. Fettig aussehende Haut kann trotzdem zu wenig Feuchtigkeit enthalten. Du kannst deinen Hauttyp bei der Kosmetikerin (und auch bei manchen Frisören oder Nagelstudios, die auch Hautpflege anbieten) testen lassen. Dabei werden Fett- und Feuchtigkeitsgehalt gemessen. Bei starker Problemhaut ist die Hautärztin/der Hautarzt der richtige Ansprechpartner.

Es gibt für jeden Hauttyp unzählige Pflegeserien. Hier hilft oft nur ausprobieren: Wenn die Haut sich gut anfühlt, gut aussieht und weder Unreinheiten noch Rötungen zeigt, kannst du bei der Pflegeserie bleiben. Bei sehr sensibler oder sehr trockener Haut können Produkte mit Harnstoff oder eine medizinische Hautpflege sinnvoll sein (4).

Empfehlenswerte Inhaltsstoffe in Pflegecremes

Wir haben einige der häufigsten Inhaltsstoffe in Hautpflegeprodukten unter die Lupe genommen. Folgende Bestandteile in einer Hautpflege können wir empfehlen.

  • UV-Schutz in Tagescremes: Ein UV-Schutz kann chemisch oder natürlich (mineralisch) sein, je nach Vorliebe. In jedem Fall gehört der UV-Schutz in der Tagescreme zu den wichtigsten Faktoren, die die Hautalterung tatsächlich und nachweislich bremsen können.
  • Antioxidantien: Freie Radikale beschleunigen die Hautalterung. Diese reaktiven Substanzen entstehen unter anderem durch Stress, UV-Strahlung, Nikotin, Alkohol und Schadstoffe aus der Umwelt. Darum sind auch Antioxidantien (Radikalfänger) empfehlenswerte Inhaltsstoffe in der Hautpflege. Dazu gehören unter anderem Vitamin C, Vitamin E, Vitamin A (Retinol), Coenzym Q10 und Beta-Carotin.
  • Feuchtigkeitsspender: Feuchtigkeit ist immens wichtig. Ohne spezifische Antifaltenwirkstoffe ist alleine der Feuchtigkeitsspender schon in der Lage, kleine Trockenheitsfältchen zu glätten. Zu den Inhaltsstoffen, die Feuchtigkeit spenden, gehören unter anderem Glycerin, Harnstoff, Milchsäure und die im folgenden genauer erklärte Hyaluronsäure.
  • Hyaluronsäure: Hyaluronsäure ist ein körpereigener Stoff, der viel Wasser bindet und dadurch die Haut elastisch hält. Mit zunehmenden Alter sinkt der Hyalurongehalt der Haut, was die Haut trockener, empfindlicher und anfälliger für Falten macht. Studien belegen, dass Hautpflege mit Hyaluronsäure die Elastizität und Straffheit der Haut erhöhen kann (5). Allerdings muss sie dazu in einer bestimmten, niedrig-molekularen Form vorliegen. Nur so kann die Hyaluronsäure tief eindringen. Hyaluronsäure gibt es auch zum Einnehmen, dazu mehr im letzten Teil dieses Artikels.
  • CBD-Öl: Manche von euch kennen CBD-Öl (Öl der Hanfpflanze) vielleicht als Mittel zum Einnehmen, zum Beispiel bei nervösen Beschwerden oder Schlafstörungen. Doch es hat auch äußerlich angewendet eine Reihe positiver Wirkungen. Es soll die Schutzbarriere der Haut stärken, einen Anti-Aging-Effekt haben und beruhigend bei Hautirritationen wirken. Zudem zeigt CBD-Öl entzündungshemmende Eigenschaften. Hier findest du einen Fachartikel, der Natur- und Biokosmetik mit CBD-Inhalt vergleicht.
  • Aloe vera: Die Aloe vera ist eine kaktusähnliche Pflanze. Das aus den Blättern gewonnene Gel enthält eine große Menge wertvoller pflanzlicher Inhaltsstoffe. In Studien wurde nachgewiesen, dass Aloe vera entzündungshemmend wirkt, viele Antioxidantien enthält, die Zellteilung anregt und die Wundheilung fördert (6).

Für alle diese Inhaltsstoffe gilt: Sie wirken nur bei regelmäßiger Anwendung. Grundsätzlich ist eine tägliche Anwendung empfehlenswert. Die Effekte der Anwendung zeigen sich erst im Verlauf von Wochen, Monaten und Jahren.

Problematische und umstrittene Inhaltsstoffe

Nicht alles, was an Kosmetik und Hautpflegemitteln im Handel erhältlich ist, ist empfehlenswert. Einige Inhaltsstoffe gelten als gesundheitlich bedenklich oder können Allergien auslösen. Naturkosmetik verzichtet auf viele problematische Inhaltsstoffe. Übrigens sind nicht alle bedenklichen Zutaten „chemisch“. So gehören zum Beispiel manche ätherischen Pflanzenöle zu den starken Allergenen. Deshalb sollten Allergiker nicht nur auf eine natürliche Hautpflege, sondern auch auf parfümfreie oder besonders allergen-arme Alternativen achten.

Mineralöle

Fast alle Gesichtspflegeprodukte (bis auf fettfreies Serum oder Aqua-Gele) enthalten Öle und Fette. Das ist auch sinnvoll. Diese sollten jedoch nicht auf Mineralölbasis hergestellt sein. Solche Fette verbergen sich zum Beispiel unter den Inhaltsstoffen Paraffin / Paraffinum liquidum, Mineral Oil, Petrolatum oder Cera microcristallina / mikrokristallines Wachs. Besser sind Fette und Öle wie Shea Butter, Avocadoöl, Jojoaböl, Olivenöl oder Mandelöl. Zusätzlich enthalten Pflanzenöle oft von Natur aus Antioxidantien wie Vitamin E.

Konservierungsstoffe (Parabene)

Bestimmte Konservierungsstoffe, die Parabene, können hormonell wirksam sein. Auf der Packung findet man diese Inhaltsstoffe zum Beispiel als Methylparaben oder Butyparaben deklariert. Als Alternative können harmlosere Substanzen wie Benzoesäure und Sorbinsäure genutzt werden.

Allergieauslösende Duftstoffe

Einige Duftstoffe haben ein hohes allergenes Potenzial. Dazu gehören synthetisch hergestellte Substanzen, naturidentische Aromastoffe und ätherische Öle. Wer sensible Haut hat, der sollte auf eine milde Hautpflege mit wenig Duftstoffen achten. Ganz ohne Parfüm muss es nur bei Allergikern sein. Denn manche Cremes haben einen nicht sehr angenehmen Eigengeruch, den die Düfte überdecken.

PEG (Polyethylenglykol)

Verschiedene PEG fungieren in Kosmetik und Hautpflegemitteln als Emulgator oder lassen Wirkstoffe besser in die Haut eindringen. Sie gelten oft als schädlich. Allerdings gibt es Studien, laut derer die am häufigsten verwendeten Polyethylenglykole sicher und gut verträglich sind (7). Dennoch sollten Menschen mit gereizter, sehr sensibler oder geschädigter Haut vorsichtshalber lieber auf PEG verzichten.

Wollfett /Wollwachs (Lanolin)

Gilt nur für zu Allergien neigende Menschen. Wollwachs stammt, wie der Name vermuten lässt, tatsächlich aus Wolle. Es handelt sich um den Talg von Schafen, der das Fell wasserabweisend macht. Es wird bei der Wäsche von Schafwolle gewonnen. Heute wird es immer seltener verwendet, da es häufiger zu Allergien führt, als andere Salbengrundlagen.

Kollagen dringt nicht in die Haut ein

Kollagen ist ein Protein, das im Bindegewebe der Haut enthalten ist und für Elastizität und Festigkeit sorgt. Ist es in Kosmetik enthalten, bringt das allerdings leider nichts für die Straffheit der Haut. Denn es kann nachweislich nicht durch die oberste Hautschicht dringen. Allerdings ist es auch nicht schädlich, sondern kann sogar für mehr Feuchtigkeit in der oberen Hautschicht sorgen. Das können jedoch auch alle herkömmlichen Feuchtigkeitsspender.

Stattdessen lässt sich die Kollagensynthese in der Haut aber tatsächlich von außen ankurbeln, indem die Hautcreme Feuchtigkeitsspender und Antioxidantien enthält. Zu den empfehlenswerten Antioxidantien gehören vor allem Retinol und Vitamin C, die beide den Kollagenaufbau anregen.

Hautpflege selber machen

Ich habe in einem extra Artikel all meine Rezepte für eine natürliche Hautpflege zusammengefasst. Darin findest du Gesichtspflege, Masken, Peelings, Bienenwachssalbe, Lippenpflege, Deo-Creme, Body-Melts und auch Ernährungstipps für ein schönes Hautbild: Hausmittel und Pflegetipps für eine gesunde Haut

Wie sieht Hautpflege von innen aus?

Die Haut lässt sich nicht nur von außen pflegen. Vor allem wenn es um die langfristige Verlangsamung der Hautalterung geht, ist Unterstützung von innen wichtig. Dabei spielt der Lebensstil eine wichtige Rolle. Hier erfährst du, wie du deine Haut von innen optimal versorgst und ob Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind.

Freie Radikale bekämpfen und Hautalterung verlangsamen

Wenn es um den besten Lebensstil für die Haut geht, dreht sich alles um die Vermeidung von freien Radikalen (8). Diese verursachen oxidativen Stress und beschleunigen die Zellalterung. Das geschieht unter anderem, indem sie die Aktivität von Kollagenasen anregen. Das sind Enzyme, die Kollagen abbauen. Ist weniger Kollagen in der Haut vorhanden, wird sie schlaffer und weniger elastisch.

Mit diesen Tipps kannst du freie Radikale bekämpfen

  • Gifte meiden: Nikotin und Alkohol erhöhen die Freisetzung von freien Radikalen in der Haut. Darum haben Raucher nachweislich eine beschleunigte Hautalterung.
  • Antioxidantien: Antioxidantien sind Radikalfänger. Sie können vor UV-bedingter Hautalterung schützen (9). Eine Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse enthält reichlich Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Vitamin A, Zink und B-Vitamine. In einer niederländischen Studie mit 2753 älteren Menschen hatten diejenigen mehr Falten, die viel rotes Fleisch und Fastfood verzehrten (10). Wer mehr Obst und Gemüse aß, hatte messbar weniger Falten.
  • UV-Strahlung meiden: Ein guter sommerlicher Sonnenschutz und der Verzicht auf das Solarium können langfristig die Hautalterung deutlich verzögern.
  • Stress vermeiden und ausreichend schlafen: Dauerhafter Stress und Schlafmangel erhöhen die Bildung freier Radikale. Den „Schönheitsschlaf“ gibt es also wirklich.

Weitere Tipps für schöne Haut

  • Wenig Zucker und Weißmehl: Zucker und Weißmehl lassen den Blutzuckerspiegel und dadurch den Insulinspiegel stark schwanken. Da Insulin auch die Talgproduktion in der Haut fördert, können dadurch Hautunreinheiten entstehen.
  • Autophagie anregen: Die Autophagie ist der zelleigene Recyclingprozess. Eine reibungslose Funktion der Autophagie scheint eng mit einer langsameren Zellalterung zusammenzuhängen (11). Die Autophagie kannst du durch Fasten ( Heilfasten oder Intervallfasten) anregen. Auch Spermidin, eine natürliche, körpereigene Substanz, die in zahlreichen Nahrungsmitteln enthalten ist, regt die Autophagie an (10). Die beste Spermidin-Quelle sind Weizenkeime. Doch auch Sojabohnen, lange gereifter Käse, Nüsse und Kürbiskerne enthalten viel Spermidin.
  • Sport: Sport fördert das Immunsystem, regt die Durchblutung der Haut an und hilft beim Stressabbau. Darum ist regelmäßige Bewegung eine wichtige Basis für schöne Haut.
  • Viel Wasser trinken: Der einfachste Tipp für eine gut versorgte Haut – auf eine ausreichende Trinkmenge achten. Am besten eignet sich stilles Wasser.
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Nahrungsergänzungsmittel für schöne Haut

Viele der oben genannten Faktoren für schöne Haut nimmt man automatisch in ausreichender Menge zu sich, wenn man auf eine ausgewogene Ernährung achtet. Viel Obst und Gemüse sorgen dafür, dass die Nahrung viele Antioxidantien enthält. Deshalb ist eine Nahrungsergänzung meist nicht nötig und hat oft auch kaum Effekte auf die Haut. Zudem ist der Einfluss von Lebensstil und Ernährung auf die Hautalterung erst nach vielen Jahren wirklich sichtbar, während man Nahrungsergänzungsmittel in der Regel nur kurzfristig einnimmt.

Allerdings kann es sein, dass du bestimmte Ernährungsbestandteile nicht magst, wegen Unverträglichkeiten nicht essen darfst oder aufgrund der Arbeit wenig Zeit hast, immer frisch zu kochen. So kann es sinnvoll sein, einen Vitalstoffstatus mittels Bluttest durchzuführen, um zu sehen, ob du irgendwelche Mängel hast. Dann können bestimmte Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein.

Es gibt verschiedene Nahrungsergänzungsmittel speziell für die Haut mit verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen, die antioxidativ wirken. Zu den Antioxidantien gehören Vitamin A, C und E, Selen und Zink, Beta-Carotin, Carotinoide (Lutein, Lycopin, Astaxanthin) und viele weitere sekundäre Pflanzenstoffe (Anthocyane, Resveratrol, Flavonoide).  Auch Weizenkeimextrakt gilt als gute Ergänzung für die Haut, denn wie oben bereits erwähnt, enthalten Weizenkeime viel Spermidin, was die Autophagie anregt.

Hyaluronsäure ist nicht nur ein wirkungsvoller Bestandteil von Anti-Falten-Cremes, sondern wird auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Die eingenommene Hyaluronsäure soll das Gewebe mit Wasser und Nährstoffen versorgen, wodurch die Haut eine verbesserte Spannkraft erhält (12).

Auch Kieselerde soll durch das enthaltene Silizium für schöne Haut und Haare sorgen. Allerdings ist hier die Wirkung nicht ausreichend belegt. Zudem werden immer wieder Blei-Verunreinigungen in Kieselerde-Produkten nachgewiesen, warnt die Deutsche Verbraucherzentrale (13). Generell gilt: Bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, solltest du dich genau über den Hersteller informieren und darauf achten, dass keine unnötigen Zusatzstoffe im Produkt sind.

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Quellenangaben

  1. Khavkin J, Ellis DA. Aging skin: histology, physiology, and pathology. Facial Plast Surg Clin North Am. 2011 May;19(2):229-34.
  2. Draelos ZD. The science behind skin care: Cleansers. J Cosmet Dermatol. 2018 Feb;17(1):8-14.
  3. Buraczewska I, et al. Changes in skin barrier function following long-term treatment with moisturizers, a randomized controlled trial. Br J Dermatol. 2007 Mar;156(3):492-8.
  4. Celleno L. Topical urea in skincare: A review. Dermatol Ther. 2018 Nov;31(6):e12690.
  5. Bukhari SN, et al. Hyaluronic acid, a promising skin rejuvenating biomedicine: A review of recent updates and pre-clinical and clinical investigations on cosmetic and nutricosmetic effects. Int J Biol Macromol. 2018 Dec;120(Pt B):1682-1695.
  6. Hes M, et al. Aloe vera (L.) Webb.: Natural Sources of Antioxidants – A Review. Plant Foods Hum Nutr. 2019 Sep;74(3):255-265.
  7. Fiume MM, et al. Safety assessment of alkyl PEG ethers as used in cosmetics. Int J Toxicol. 2012 Sep-Oct;31(5 Suppl):169S-244S.
  8. Rinnerthaler M, et al. Oxidative stress in aging human skin. Biomolecules. 2015 Apr 21;5(2):545-89. doi: 10.3390/biom5020545.
  9. Petruk G, et al. Antioxidants from Plants Protect against Skin Photoaging. Oxid Med Cell Longev. 2018 Aug 2;2018:1454936.
  10. Mekić S, et al. A healthy diet in women is associated with less facial wrinkles in a large Dutch population-based cohort. J Am Acad Dermatol. 2019 May;80(5):1358-1363.e2.
  11. Gu Y, et al. Biomarkers, oxidative stress and autophagy in skin aging. Ageing Res Rev. 2020 Feb 24;59:101036. doi: 10.1016/j.arr.2020.101036. [Epub ahead of print]
  12. Kawada C, et al. Ingested hyaluronan moisturizes dry skin. Nutr J. 2014 Jul 11;13:70.
  13. Deutsche Verbraucherzentrale, 2018: Klartext Nahrungsergänzung – Kieselerde: förderlich für Haut, Haare und Nägel?
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Bildquellen

  • Hautpflegetipps Schriftzug: Yuganov Konstantin | Shutterstock.com
Dr. Silvia Nold

Dr. Silvia Nold ist promovierte Biologin und hat eine abgeschlossene Ausbildung als pharmazeutisch-technische Assistentin mit Schwerpunkt Ernährungslehre. Sie war mehrere Jahre in der medizinischen Diagnostik tätig. Dr. Nold schreibt für Lanaprinzip Publishing e.U. über Themen der Biologie, Medizin und Ernährung.