Eine tibetische Gebetsfahne im Wind

Heilung aus dem Himalaya – Entspannung durch Tibetische Medizin

Ganzheitliche Heilsysteme sind auf dem Vormarsch. Nach der Traditionellen Chinesischen Medizin feiert auch die Tibetische Medizin ihren wohlverdienten Einzug in westliche Behandlungszimmer. Eine einfache Anwendung mit Gewürzen verspricht Erholung auf allen Ebenen.

Die Traditionelle Tibetische Medizin (TTM) als holistisches Heilsystem blickt auf eine Jahrhundertalte Tradition zurück. Schon damals wurde einer angemessenen Lebensweise und vor allem einer individuell abgestimmten Ernährung große Bedeutung beigemessen. Dies spiegelt sich in einer uralten Aussage im wichtigsten Werk der Tibetischen Medizin wider: „Die erste Krankheit war die Verdauungsstörung, die erste Medizin war gekochtes Wasser.“ Vor über 2000 Jahren wusste man bereits, dass Gesundheit und ein intakter Darm untrennbar miteinander verbunden sind.

„Die Bibel“ der Tibetischen Medizin

Als die wichtigste Wissensquelle der Traditionellen Tibetischen Medizin gilt der sogenannte rghyd bzhi (sprich gü-schi). Die umfangreiche Sammlung medizinischer Schriften wurde im 12. Jahrhundert fertiggestellt und gilt noch heute als allgemein gültiges Nachschlagewerk für Tibetische Ärzte und Studierende der TTM. Noch heute müssen die Studierenden der Tibetischen Medizin im Men-Tsee-Khang (Institut für Tibetische Medizin und Astrologie in Nordindien) die 5.900 Verse auswendig rezitieren können.

Ungleichgewicht und Unwissenheit – die Ursache von Krankheit

Die TTM beruht auf der Theorie der 5 Elemente – d. h. alles besteht aus den Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. Das gesamte Universum, aber auch der Körper, selbst die Krankheit und die Medizin sind darauf aufgebaut und befinden sich in einem sich gegenseitig beeinflussenden Wechselspiel. Auf geistiger Ebene finden die 5 Elemente ebenfalls ihre Entsprechung und werden in die 3 Hauptenergien (3 nyes pa) zusammengefasst. Im besten Fall sind die Energien in Körper und Geist ausgeglichen. Die 3 Energien werden auch als die 3 Geistesgifte bezeichnet:

  •  rLung (lung) steht für „Gier“ – Element Luft
  • mkhris pa (tri-pa) steht für „Hass“ – Element Feuer
  • bad kan (beken) steht für „Verblendung“ – Elemente Erde und Wasser

Im größeren, philosophischeren Kontext wird davon ausgegangen, dass jede Krankheit der Unwissenheit entspringt – d. h. der Mensch verfügt nicht über das Bewusstsein, um aus seinem Leiden auszubrechen.

Gesundheit braucht Balance

Ob Elemente oder Energien, wichtig für die Erlangung und Erhaltung der Gesundheit ist der Ausgleich dieser Komponenten. Die Tibetische Medizin hat sich zur Aufgabe gemacht, Wege zu finden, das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen. In der heutigen Zeit sind wir oft alles andere als ausgeglichen und viele Menschen leiden unter Stress und Unruhe. Laut Tibetischer Medizin gehen diese Symptome meist mit einem rLung-Überschuss oder einer Fehlleitung dieser Energie einher. Durch das vorherrschende Luft-Element fühlt man sich aufgewirbelt. Mit der folgenden einfachen Anwendung, die leicht zuhause durchgeführt werden kann, lässt sich in kurzer Zeit Entspannung erreichen.

Gewürze zum Entspannen – Zhati dugspa

„Zhati“ ist das tibetische Wort für Muskat und „dugspa“ bedeutet Stempel oder Kompresse. Diese kleinen Gewürzstempel werden in heißes Öl getaucht und an bestimmten Körperpunkten, sogenannten rLung-Punkten, angewendet. Fertige Zhati dugspas kann man in diversen Tibetshops kaufen, oder ganz einfach selbst herstellen. Um deine eigene, herrlich entspannende Behandlung mit selbstgemachten Zhati dugspas durchführen zu können, benötigst du ein paar Utensilien:

  • 1 quadratisches Stück Stoff (Leinen oder Baumwolle),
  • Verschiedene Gewürze gemahlen bzw. gerieben: Muskat, Gewürznelken, Kümmel
  • 1 Bindfaden
  • 1 Esslöffel Sesamöl
  • 1 Duftlampe
  • 1 Teelicht

Zuerst wird auf die Mitte des Stoffstückes die Gewürzmischung gegeben – folgendes Verhältnis hat sich bewährt: 50 % Muskat und je 25 % Gewürznelken und Kümmel. Nun die Ecken nehmen und in der Mitte zusammenbinden, so dass ein kleines, gefülltes Säckchen entsteht. In die Schale der Duftlampe wird nun das Sesamöl gegeben, das Teelicht unterhalb platziert und angezündet. Sobald das Öl heiß ist, kann mit der Behandlung wie folgt begonnen werden.

Ein Relief eines weißen Buddhas in gold gefasst - Ein Symbol für die Tibetische MedizinTibetische Medizin: 15 Punkte zur Entspannung

Das gefüllte Zhati-Säckchen wird in das heiße Öl getaucht und dann für etwa 5-10 Sekunden an den jeweiligen Punkten aufgedrückt. Begonnen wird am Scheitelpunkt.

1. Punkt – Scheitelchakra

Um diesen Punkt zu finden, wird in der Tibetischen Medizin traditionell mit den Maßstäben des eigenen Körpers gemessen. So wird beispielsweise die Breite eines Fingers als Maß herangezogen. Für den ersten Punkt platziere die Hand waagrecht auf dem Nasenrücken, so dass der kleine Finger genau auf der Nasenspitze zu liegen kommt – Ringfinger, Zeigefinger und Mittelfinger liegen darüber und bilden nun 4 Fingerbreiten. Von der Nasenspitze werden 16 Fingerbreiten hinauf zum Scheitelpunkt gemessen. Wenn du den Punkt gefunden hast, nimm das heiße Gewürzsäckchen (Vorsicht! Bitte testen, ob es nicht zu heiß ist) und platziere es dort mit leichtem Druck für ca. 5-10 Sekunden. Der Scheitelpunkt ist laut TTM sehr wichtig für die Kontrolle des Geistes. Zuweilen wird dieser Punkt auch bei Komapatienten mit der sogenannten Goldenen Nadel behandelt.

2. Punkt – Occiput (Hinterhauptbein)

Der nächste Punkt wird 8 Fingerbreit vom Scheitelchakra weiter nach hinten gemessen. Genau am Hinterhauptbein ist ein Grübchen zu finden. Das Zhati dugspa wieder in das heiße Öl tauchen und dann leicht auf die Stelle aufdrücken. Laut TTM bildet dieser Punkt die Quelle der Nerven. Daher ist dieser auch sehr wichtig bei Nervenerkrankungen, aber auch bei „schwerem“ Kopf, Kopfschmerzen und Schwindel kann man sich damit Erleichterung verschaffen.

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3. Punkt – Fontanelle

Die Fontanelle befindet sich ca. 4 Fingerbreit vom Haaransatz entfernt. Das heiße Zhati dugspa hier wieder aufsetzen. Dieser Punkt ist wirksam gegen Kopfschmerzen und gut für alle Sinnesorgane, besonders aber für die Augen. Insbesondere bei brennenden, rinnenden Augen und allen Arten von Augenbeschwerden kann dieser Punkt hilfreich sein.

4. und 5. Punkt – Schläfen

Die Schläfen nacheinander mit dem heißen Zhati dugspa behandeln, also wie beschrieben für 5-10 Sekunden andrücken. Die Stimulation der beiden Punkte dient der Entspannung und wirkt wiederum lindernd bei Augenproblemen. Auch bei Einschlaf- und Kieferproblemen sollen die Schläfenpunkte hilfreich sein.

6. und 7. Punkt – links und rechts unterhalb vom Occiput

Du gehst nun wieder zum 2. Punkt (Hinterhauptbein) und stellst dir vor, dieser Punkt wäre die Spitze von einem A. An den beiden Enden der „A“-Beine (ca. 4 cm lang) findest du die Muskulatur der Halswirbelsäule und eine gut spürbare Vertiefung. Die gesuchten Punkte befinden sich genau dort, wo der Schädelknochen beginnt. Diese beiden Stellen nacheinander mit dem Gewürzsäckchen behandeln.

8. und 9. Punkt – Hand außen

Jetzt drücke das Gewürzsäckchen jeweils der Reihe nach auf den Punkt der auf der Schwimmhaut zwischen Zeigefinger und Daumen liegt. Dies fördert ein positives Körpergefühl und wirkt gegen Schmerzen.

10. und 11. Punkt – Handinnenfläche Mitte

Das heiße Zhati dugspa nun nacheinander auf den Punkt genau in der Mitte der Handinnenflächen platzieren (Notfallpunkt). Hier treffen wichtige Kanäle zusammen – bei Bewusstlosigkeit können die Hand- und Fußflächen gerieben werden, um die Kanäle wieder zu aktivieren.

12. und 13. Punkt – Fuß – 1. Zehenglied

An den großen Zehen behandle jeweils das erste Zehenglied (wo üblicherweise Härchen sprießen).

14. und 15. Punkt – Fußsohle

Zum Abschluss wird die heiße Zhati-Kompresse in der Mitte der Fußsohlen aufgedrückt. Fertig!

Bei Bedarf kann der Vorgang wiederholt werden, bis sich Entspannung einstellt. Diese Therapie wirkt optimal bei Stress, Schlaflosigkeit und Unruhe. Auch nach Wanderungen oder Aufenthalten in höheren Lagen wirkt die Mischung aus warmem Öl und Gewürzen befriedend auf das übermäßige rLung. Bei spröden Lippen und trockener Haut ist die Anwendung ebenfalls sehr empfehlenswert. Die Wirkung der wohlriechenden Zhati dugspa-Säckchen entfaltet sich zudem recht schnell.

Die Tibetische Medizin hält einige sanfte und wirkungsvolle Therapien bereit. Immer öfter findet man auch hierzulande Zugang zu diesem uralten Wissen. Und das nicht zu unserem Nachteil: Mit Hilfe einfacher, ganzheitlicher Lebens- und Ernährungstipps kann auch vorbeugend viel Gutes für die Gesundheit getan werden.

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Quellenangaben

  • Florian Ploberger: „Wurzel-Tantra und Tantra der Erklärungen der tibetischen Medizin: Die vier Tantras der Medizin“, Bacopa Verlag, 2012
  • Men-Tsee-Khang Institut & Tibet Center Institute Austria: Grundlagen der Tibetischen Medizin, Begleittext zum Diplomlehrgang, Version 1.0, 2015
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