Eine graphische Darstellung eines menschlichen Magens innerhalb eines Körpers.

Magenschmerzen vorbeugen und lindern

in Körper von Dr. Silvia NoldKommentar verfassen

Es drückt, krampft oder brennt: Magenschmerzen sind unangenehm. Steckt Stress dahinter oder doch eine körperliche Ursache? Hier erfährst du mehr über die Auslöser von Magenbeschwerden und was dagegen hilft.

So gut wie jeder Mensch hatte in seinem Leben irgendwann einmal Magenschmerzen. Das ist ganz normal und zunächst kein Grund zur Besorgnis. Treten die Schmerzen jedoch regelmäßig auf, ist das ein Warnsignal. Jeder dritte Mensch ist hierzulande immer wieder von Schmerzen im Oberbauch betroffen. Häufig ist der Grund zu viel Stress. Nicht umsonst nutzen wir Redewendungen wie „das schlägt mir auf den Magen“ oder „das macht mir Bauchschmerzen“. Stress, Ängste und Sorgen können tatsächlich Magenschmerzen auslösen. Auch eine falsche Ernährung oder bestimmte Erkrankungen können eine Rolle spielen.

Hier erfährst du, wie Magenschmerzen entstehen und wann ein Besuch beim Arzt ratsam ist. Außerdem haben wir viele hilfreiche Tipps für dich zusammengestellt, wie sich Magenbeschwerden lindern und vorbeugen lassen.

Aufbau und Funktionsweise des Magens

Der Magen ist eine sackartige Auswölbung des Verdauungssystems. Er hat ein Fassungsvermögen von rund 1,5 Litern. Zerkaute Nahrung gelangt über die Speiseröhre in den Magen und wird dort mit Salzsäure und Verdauungsenzymen (vor allem dem eiweißspaltenden Pepsin) gemischt. Die Magenschleimhaut besteht aus verschiedenen Schichten. Zellen der Magenwand produzieren die Magensäure und Pepsinogen, eine Vorstufe des Pepsins. Außerdem erfüllen sie weitere wichtige Aufgaben. Sie geben zum Beispiel auch den sogenannten Intrinsic Faktor ab, der für die Aufnahme von Vitamin B12 zuständig ist. Auch Hormone werden durch Magenschleimhaut-Zellen gebildet. Während im Ruhezustand nur rund zehn Milliliter Magensaft pro Stunde gebildet werden, kann die Produktion nach der Nahrungsaufnahme kurzzeitig auf bis zu einem Liter pro Stunde (also um das Hundertfache) steigen.

Wann spricht man von Magenschmerzen?

Von Magenschmerzen sprechen die meisten Menschen immer dann, wenn im Oberbauch Schmerzen auftreten. Der Schmerz kann drückend, stechend oder scharf brennend sein. Zu Magenschmerzen können in manchen Fällen Sodbrennen oder Magenkrämpfe hinzukommen. Auch häufiges Aufstoßen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können mit Magenschmerzen einhergehen.

Wie entstehen Magenschmerzen?

Die Salzsäure im Magen erfüllt wichtige Funktionen. Sie aktiviert Verdauungsenzyme, denaturiert Proteine in der Nahrung und tötet Bakterien ab. Die Magensäure würde jedoch auch die Zellen der Magenschleimhaut angreifen. Deshalb wird die Magenwand durch eine bis zu einem Zentimeter dicke Schleimschicht geschützt (1). Fast alle Magenschmerzen beruhen auf einem Ungleichgewicht zwischen dem körpereigenen Magenschutz und den aggressiven Faktoren (zum Beispiel der Magensäure).

Magenschmerzen werden oft durch eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) hervorgerufen. Dabei ist die Magenschleimhaut vorübergehend (akut) oder dauerhaft (chronisch) gereizt. Kommt es an einer Stelle zu einer Schädigung der Magenwand, die bis in tiefere Zellschichten reicht, spricht man vom Magengeschwür.

Ab wann zum Arzt?

Die meisten Magenbeschwerden sind harmlos. Doch auch Magenkrebs, Magen-Darm- Infekte oder Lebensmittelvergiftungen sowie die Einnahme bestimmter Medikamente können zu Magenbeschwerden führen. Einige Erkrankungen von Darm, Leber, Herz oder Bauchspeicheldrüse können sich ebenfalls auf den Magen auswirken. Bist du dir nicht sicher, was deine Magenschmerzen auslöst, sollte ein Arzt die Ursache abklären. Das gilt vor allem, wenn Magenschmerzen häufig auftreten, mehr als drei Tage andauern, sehr stark schmerzen oder mit Erbrechen verbunden sind. Bei leichteren stress- oder ernährungsbedingten Beschwerden kannst du unsere Tipps und Hausmittel (siehe unten) ausprobieren.

Wie werden Magenschmerzen vom Arzt behandelt?

Chronische Magenschmerzen sollte am besten immer ein Arzt abklären, damit die Ursache herausgefunden werden kann. Dabei wird der Arzt zunächst versuchen herauszufinden, woher die Magenschmerzen kommen.

Anamnese und Diagnose

Zunächst befragt dich der Arzt über die Häufigkeit der Schmerzen. Treten Sie zu bestimmen Zeiten oder im Zusammenhang mit den Mahlzeiten auf? Sind sie drückend, brennend, kommt vielleicht Sodbrennen oder Übelkeit dazu oder liegen auch Darmsymptome wie Durchfall vor? Zur Untersuchung tastet der Arzt oft den Bauchraum ab. Zusätzlich können Blutwerte Informationen liefern. Bei schwereren Beschwerden kann ein Ultraschall oder auch eine Magenspiegelung (Gastroskopie) nötig werden, zum Beispiel, um Magengeschwüre zu erkennen.

Helicobacter pylori: Der Magenkeim

Magengeschwüre, Entzündungen der Magenschleimhaut und sogar Magenkrebs werden nicht nur durch Stress oder falsche Essgewohnheiten begünstigt. Auch das im Magen lebende Bakterium Helicobacter pylori kann dazu beitragen. Der Nachweis und die Bekämpfung dieses Bakteriums gehören heute zum Standard bei dauerhaften Magenbeschwerden. Meist wird Helicobacter mit Antibiotika bekämpft. Da diese auch auf die günstigen bakteriellen Bewohner in unserem Magen und Darm wirken, lohnt sich anschließend oft eine Unterstützung und ein Wiederaufbau der Darmflora.

Behandlung von Magenschmerzen

Bei einer Übersäuerung des Magens helfen Antazida (säurebindende Mittel). Diese wirken aber in der Regel nur kurz. Andere Mittel wie zum Beispiel die H2-Rezeptor-Blocker und Protonenpumpenhemmer drosseln die Magensäureproduktion. Diese Medikamente sollen jedoch nicht eine gesündere und magenfreundlichere Lebensweise ersetzen, zumal sie auch Nebenwirkungen haben und bei längerer Einnahme zu Vitamin- und Mineralstoffmangel führen können. Je nach Beschwerden können auch andere Mittel in Frage kommen, die gegen Übelkeit wirken, die Verdauung anregen oder Krämpfe lösen. In vielen Fällen empfiehlt der Arzt aber natürlich eine Umstellung auf eine magenfreundlichere Lebensweise. Was alles dazu gehört und was du selbst tun kannst, erfährst du im nächsten Kapitel.

Was kannst du selbst gegen Magenschmerzen tun?

Ist keine medizinische Ursache für Magenschmerzen nachweisbar, spricht man auch vom Reizmagen. Dahinter steckt oft ein falscher Lebensstil, eine ungesunde Ernährung oder zu viel Stress (hier findest du einen Artikel, wie du Stress und der Burnout Gefahr durch Selbstreflexion begegnen kannst). Auch wenn du nur gelegentlich unter Magenschmerzen leidest, ist es wichtig, etwas dagegen zu tun. So kann sich keine chronische Gastritis oder ein Magengeschwür entwickeln. Auch die Aufnahme essenzieller Vitamine (zum Beispiel B12) und Mineralstoffe (zum Beispiel Zink, Eisen) wird bei einem dauerhaften Ungleichgewicht im Magen gehemmt (2). Eine medikamentöse Behandlung kann helfen, akute Schmerzen zu lindern oder Krämpfe zu lösen. Dauerhaft sollten Medikamente aber nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden und wenn das Beheben der Ursache(n) durch einen gesunden Lebensstil nur unzureichend funktioniert hat.

Magenschmerzen durch Stress

Damit die Magenschleimhaut gut geschützt ist, muss sich die Schleimschicht stetig erneuern. Das ist nur möglich, wenn die Schleimhaut gut durchblutet ist und die Hormone, die die Magensäure regulieren, im Gleichgewicht sind. Stress erzeugt jedoch ein Ungleichgewicht. Dabei ist Stress eigentlich eine normale und gesunde Reaktion des Körpers. In der Evolution war es wichtig, dass der Mensch in Gefahrensituationen schnell reagieren konnte. Heute herrscht jedoch oft Termindruck und Dauerstress, ohne Erholungsphasen. Das kann psychisch krank machen und hat negative körperliche Auswirkungen. Zu den typischen Stressfolgen gehören unter anderem Magenprobleme.

Auch interessant:  Wirkungsweise Blutdrucksenker: Gibt es Nebenwirkungen?

Das kannst du gegen stressbedingte Magenschmerzen tun:

Treten Magenschmerzen bei dir vor allem in Zeiten auf, in denen du unter Druck und Anspannung stehst? Dann ist die beste Vorsorge, Stress und Ärger zu vermeiden oder mit Entspannungstechniken aktiv dagegen anzugehen. Besonders effektiv sind autogenes Training, die progressive Muskelentspannung und auch Meditationen oder Übungen zur Achtsamkeit. Einige Anregungen dazu findest du auch unten in den Buchtipps.

2015 wurden Ergebnisse des „Rest Test“ veröffentlicht (3). 18.000 Menschen aus 134 Ländern nahmen dabei an einer Umfrage über Pausen und Entspannung teil. Als die am meisten entspannenden Tätigkeiten gaben die Befragten das Lesen und die Bewegung in der freien Natur an. Beides kann vielleicht auch dir helfen. Bewegung in der Natur wirkt dabei mehrfach: Der Anblick von Bäumen und anderen Pflanzen beruhigt nachweislich. Du bist weit weg von deinem Alltag im Büro oder Zuhause. Zudem stärkt Bewegung im Freien das Immunsystem. Und auch die Geräusche in der Natur tragen zum Stressabbau bei, fanden Forscher heraus (4). Naturgeräusche wirken vor allem dann besonders entspannend, wenn du vorher besonders gestresst bist. Schon wenige Minuten in der Natur reichen aus, damit ein merklicher Entspannungseffekt eintritt (5).

Und noch ein ganz einfacher Tipp, der aber oft am schwersten umzusetzen ist: Je öfter du dein Smartphone checkst, desto höher ist der Stresslevel. Auch wenn du es privat nutzt. Also ruhig öfter mal das Smartphone eine Weile weglegen, vor allem in Zeiten, in denen du bewusst entspannen willst.

Eine Frau hält eine magenfreundliche Kürbiscremesuppe und einen Löffel in der Hand.Die richtige Ernährung kann Magenschmerzen vorbeugen

Leicht verdauliche Speisen (Obst und Gemüse wird gedünstet oft besser vertragen) bleiben nur rund zwei Stunden im Magen. Schwer verdauliche, fettreiche Kost dagegen bis zu acht Stunden. Zu große Nahrungsmengen, zu fette und zu scharfe Nahrung kann die Magenschleimhaut reizen. Bei manchen Menschen führen auch kohlensäurehaltige Getränke, zu viel Zucker, Kaffee und Nikotin zu Magenschmerzen. Besonders belastend für den Magen sind alkoholische Getränke. Die ungünstigste Kombination ist viel Stress, hektisches Essen und dazu noch fettreiches Fast Food.

Hast du das Gefühl, dass es dir nach bestimmten Lebensmitteln schlechter geht, dann solltest du diese meiden. Industriell stark verarbeitete Lebensmittel sollten ebenfalls so weit wie möglich aus dem Speiseplan verschwinden. Stattdessen solltest du dich leicht, ausgewogen und abwechslungsreich mit viel frischem Obst und Gemüse ernähren und reichlich kohlensäurefreies Wasser trinken.

Weitere Tipps gegen Magenschmerzen

Regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf wirken sich positiv auf den Magen aus. Ein bis zwei Teelöffel Leinöl täglich, am besten morgens, sollen gegen eine Magenschleimhautentzündung helfen (zugleich hat Leinöl auch noch eine ideale Zusammensetzung mehrfach ungesättigter Fettsäuren).

Hausmittel und Tipps bei akuten Magenbeschwerden:

  • Manchmal hilft Wärme auf dem Bauch, vor allem bei krampfartigen Schmerzen. Du kannst eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen nutzen.
  • Tees mit Kamille, frischem Ingwer oder ein Fenchel-Anis-Kümmel-Tee können Magenschmerzen lindern.
  • Tees lassen sich auch als Rollkur verwenden: Eine große Tasse lauwarmen Tee zügig trinken. Dann hinlegen und jeweils einige Minuten auf Bauch, Rücken und beiden Seiten liegen. So erreicht der Tee optimal alle Magenbereiche.
  • Bei säurebedingten Magenbeschwerden kann Heilerde Linderung bringen. Manchmal hilft es auch, ein Stück Brot zu kauen.
  • Heilfasten entlastet den Magen & Darmtrakt und kann über Schonkost während der Aufbautage ebenfalls Linderung bereiten.
  • Ist dein Darm betroffen, solltest du unseren Fachartikel zum Thema Reizdarm lesen.

Hast du selbst Erfahrungen mit dem Thema oder hast weitere Tipps gegen Magenschmerzen? Dann tausche dich in unserem Forum unter https://gesundheit-koerper-seele.com/forum/ mit anderen darüber aus.

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Buchtipps zum Thema Magenschmerzen

 

Quellenangaben

(1) Piper W. Innere Medizin (Lehrbuch), Verlag: Heidelberg 2007.
(2) Sipponen P, Maaroos HI. Chronic gastritis. Scand J Gastroenterol. 2015; 50(6): 657–667.
(3) http://hubbubresearch.org/rest-test-results/ (Ergebnisse der „Rest Test“-Umfrage)
(4) Gould van Praag CD, et al. Mind-wandering and alterations to default mode network connectivity when listening to naturalistic versus artificial sounds. Scientific Reports 7, 2017; Article number: 45273.
(5) Barton J und Pretty J. What is the Best Dose of Nature and Green Exercise for Improving Mental Health? A Multi-Study Analysis. Environ. Sci. Technol., 2010, 44 (10), pp 3947–3955

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