Eine Frau, die über einer Stadt auf einem Drahtseil balanciert als Symbol für Angst bei Albträumen

Albträume: Traumdeutung, Ursache und Hilfe

in Seele von Dr. Silvia Nold

Artikel aktualisiert am 18.10.2018

Albträume können sehr belasten. Wir klären, was die Schlafforschung über die Ursachen von Albträumen herausgefunden hat, welche Bedeutung die Träume haben können inklusive Traumdeutung und was du gegen Albträume tun kannst.

Nahezu jeder Mensch kennt Albträume. Wir schrecken nachts hoch und sind für einen Moment noch ganz in einem negativen Gefühl gefangen. Oft führen die Erinnerungen an angsteinflößende Träume sogar noch den ganzen nächsten Tag zu einem mulmigen Gefühl. Wir möchten heute klären, warum man eigentlich träumt und Albträume hat.

Immerhin leiden etwa fünf Prozent aller Erwachsenen und auch viele Kinder regelmäßig unter sehr belastenden Albträumen. Dies kann so weit gehen, dass der Nachtschlaf leidet oder die Betroffenen starke Angst haben, einzuschlafen. Hier erfährst du, wann du einen Arzt aufsuchen solltest, was du selbst gegen Albträume tun kannst und was die Träume bedeuten könnten.

Warum und wie träumen wir überhaupt?

Im normalen Nachtschlaf durchlaufen wir verschiedene Schlafphasen. In der Einschlafphase sinken Puls und Atemfrequenz. Körper und Geist gehen immer weiter in einen Zustand der Entspannung über. In diesem Moment reichen oft kleine Störungen aus, um wieder wachzuwerden. Dann folgt die Leichtschlafphase, in der wir schlafen, jedoch nahezu ohne Augen- und Muskelbewegungen. Die anschließende Tiefschlafphase ist die Phase der tiefsten Entspannung. Schlafforscher nehmen an, dass sie der psychischen und geistigen Erholung dient. Dabei schlafen wir tief und ruhig. Das ändert sich in der REM-Phase, die durch schnelle Augenbewegungen (REM = rapid eye movement) gekennzeichnet ist. Die gesamte Gehirnaktivität, messbar in Schlaflaboren im EEG, ändert sich und steigt an. Sie entspricht in dieser Zeit eher der Aktivität, die wir sonst nur beim Wachsein zeigen.

In der Regel durchlaufen wir nachts mehrere Zyklen von Leicht-, Tief- und REM-Schlaf. Ein solcher Zyklus dauert etwa 1,5 Stunden und besteht aus durchschnittlich 50 Minuten Leichtschlaf und 40 Minuten Tief- und REM-Schlaf. Ob wir uns morgens erholt fühlen, hängt unter anderem davon ab, wie viele solcher Zyklen wir nachts ungestört durchlaufen konnten.

Wann und warum träumen wir?

Träume sind in jeder Schlafphase möglich, auch bereits in der Einschlafphase. Besonders intensiv und häufig träumen wir aber in der REM-Phase. Das ist auch die Schlafphase, in der Albträume auftreten können. Doch warum träumen wir überhaupt? Schlafforscher gehen davon aus, dass wir im Schlaf Dinge erleben, die uns wichtig sind und die uns im Alltag bewegen.

Ein Traumszenario - ein Bot in den Wolken mit einem Baum und einer FrauDie Forscher sind sich allerdings nicht einig, welchen Sinn Träume haben. Neurowissenschaftler vermuten, dass wir in Träumen Sinneseindrücke und Informationen verarbeiten. Das Gedächtnis verfestigt sich dadurch (1). Der Traum kann laut mancher Psychologen auch eine Art „kleine Psychotherapie“ sein, bei der wir emotionale Eindrücke aufarbeiten. Andere hingegen vertreten die Theorie, dass Träume gewissermaßen ein Training darstellen. Das Gehirn spielt Situationen durch, um uns in Zukunft darauf vorzubereiten. Wieder andere gehen davon aus, dass Träume keinen tieferen Sinn haben, sondern eine Begleiterscheinung des Schlafes sind. Das Gehirn ist also einfach im „Leerlauf“ und erzeugt dabei Bilder und Sequenzen.

Von manchen Menschen werden Träume jedoch auch ganz anders betrachtet und als außerkörperliche Erfahrungen, als bedeutungsvolle Vorahnungen oder als Warnzeichen für ungelöste Konflikte gedeutet. Im Altertum wurden Träume oft auch als Kontakt mit Gott interpretiert. So gab es zum Beispiel den Tempelschlaf, bei dem ein Kranker im Tempel schlief und darauf hoffte, im Traum einen Hinweis auf Heilungsmöglichkeiten zu erhalten.

Was beeinflusst die Inhalte unserer Träume?

Der bekannte deutsche Traumforscher Prof. Michael Schredl erklärt, dass verschiedene Faktoren unsere Träume beeinflussen (2). Je kürzer ein Erlebnis her war, desto wahrscheinlicher taucht es in unseren Träumen auf. Auch wenn uns etwas emotional sehr aufwühlt und uns entweder positiv berührt oder negativ belastet, träumen wir oft davon. Auch wie wir schlafen und wann wir träumen, beeinflusst die Trauminhalte. Oft bauen wir aber auch Reize aus der Umwelt wie Geräusche oder Licht und auch körperliche Eindrücke wie Hunger, Durst oder Harndrang in unseren Traum mit ein. Unten kannst du nachlesen, was die Inhalte deiner Albträume bedeuten könnten.

Traumdeutung: Was sind Albträume und welche Ursachen haben sie?

Albträume haben Inhalte, die starke negative Gefühle auslösen. Das können Angst oder Panik sein, aber auch ein Ekelgefühl oder tiefe Trauer. Albträume führen zum Erwachen des Träumenden. Oft sind die Trauminhalte so verstörend oder unheimlich, dass man einige Zeit braucht, um sich davon lösen zu können. Im Gegensatz dazu gibt es auch die Nachtangst (Parvor nocturnus), bei der man mit einem Angstgefühl nachts hochschreckt, aber sich nicht an einen konkreten Traum erinnern kann.

Warum haben wir Albträume?

Schlaf- und Hirnforscher konnten die genauen Ursachen von Albträumen bisher nicht klären. Menschen mit post-traumatischer Belastungsstörung (PTBS) sind besonders oft betroffen. Es gibt einige konkrete Ursachen, die Albträume auslösen können. Dazu gehören chronischer Stress und bestimmte Medikamente ( Blutdrucksenker, Antidepressiva) oder Drogen. Auch wer Alkohol trinkt, besonders abends vor dem Schlafengehen, kann Albträume begünstigen. Die genetische Veranlagung kann ebenfalls eine Rolle spielen.

In der Tiefenpsychologie und Traumdeutung werden Albträume oft als ein Warnsignal unseres Unterbewusstseins verstanden. Carl Gustav Jung, Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie, bezeichnete Albträume als Schatten. Darunter verstand er negative Aspekte unseres Unbewussten. Seiner Meinung nach sollten Albträume verschwinden, wenn der dahinter liegende Konflikt gelöst ist oder verdrängte Probleme aufgearbeitet werden. Möglich ist, dass Albträume tatsächlich oft symbolisch zu verstehen sind.

Traumdeutung: Typische Szenarien im Albtraum

Albträume sind bei jedem Menschen anders. Besonders oft haben sie eines der folgenden fünf Szenarien zum Inhalt. Diese spiegeln die stärksten Ängste und Gefahrensituationen wider, denen Menschen ausgesetzt sein können. Manche Psychologen und Traumdeuter gehen davon aus, dass der jeweilige Inhalt viel über den Menschen, seine Ängste und seine aktuelle Lebenssituation aussagt.

  • Ich falle: Fallen ist eine Urangst des Menschen. Albträume haben oft zum Inhalt, dass man aus großer Höhe fällt. Manchmal kann das heißen, dass man ein Ziel erreicht hat, also im übertragenen Sinne einen Berg erklommen hat und fürchtet, wieder herabzustürzen. Das kann bedeuten, dass man Angst vor einer unsicheren Zukunft, vor beruflichen Problemen oder einer Trennung vom Partner hat.
  • Ich werde verfolgt: Schon für unsere frühesten Vorfahren gehörte es zu den gefährlichsten Situationen, von Feinden oder wilden Tieren verfolgt zu werden. Interpretiert man diesen Traum im übertragenen Sinne, kann er laut Traumdeutern auch bedeuten, dass uns Ereignisse oder traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit verfolgen, mit denen wir uns nicht auseinandersetzen möchten.
  • Ich kann mich nicht bewegen: Gelähmt zu sein oder sich nur sehr langsam bewegen zu können, ist ebenfalls ein typischer Albtrauminhalt. Wer solche Albträume hat, könnte laut Traumdeutern zum Beispiel Angst vor einem Kontrollverlust haben oder sich im Leben stark abhängig von anderen fühlen.
  • Ich komme zu spät: Albträume drehen sich oft in verschiedenen Varianten darum, dass man zu spät kommt. In der Tiefenpsychologie wird das manchmal als generelle Angst gedeutet, dass man nicht alle seine Aufgaben bewältigen kann, im Leben Chancen verpasst oder sich nicht rechtzeitig um die wirklich wichtigen Dinge kümmert.
  • Tod oder Verschwinden einer nahestehenden Person: Kaum etwas ist schlimmer, als einen geliebten Menschen zu verlieren. Albträume über dieses Thema bedeuten laut Psychologen häufig jedoch etwas anders. Es kann sein, dass die Gefühle für diese Person in Gefahr sind, abzusterben. Oder dass wir Konflikte mit dieser Person haben, die wir klären sollten. Es können auch reale Ängste dahinterstecken, wenn nahestehende Personen krank sind oder sich durch ihr Verhalten (Sucht, gefährliche Unternehmungen) in Gefahr bringen.
  • Weitere Szenarien können sein, dass du von Prüfungssituationen träumst. Das kann bedeuten, dass du nicht gut genug auf bestimmte Situationen vorbereitet fühlst. Wer im Traum eine Toilette sucht, hat womöglich auch im echten Leben ein dringendes Bedürfnis, das nicht befriedigt wird. Träumst du davon, plötzlich nackt vor anderen Menschen zu stehen, fühlst du dich im Alltag vielleicht oft ausgeliefert oder hast das Gefühl, Situationen im Job oder privat nicht adäquat bewältigen zu können.
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Das kannst du gegen Albträume tun

Manche Menschen werden besonders häufig oder stark von Albträumen heimgesucht. Wer mehr als einmal die Woche einen Albtraum hat, aufgrund der Träume Angst vor dem Einschlafen hat oder tagsüber immer noch voller Furcht an seine Albträume denkt, der sollte am besten mit einem Arzt darüber sprechen. Denn manchmal können auch psychische oder körperliche Erkrankungen dahinterstecken.

Selbsthilfe ist möglich, wenn keine Erkrankung dahintersteckt. Mit einigen spannenden psychologischen bzw. psychotherapeutischen Techniken kann man oft erreichen, dass die Träume verschwinden, sich verändern oder nicht mehr als so angsteinflößend empfunden werden. Traumdeuter und manche Naturheilkundler gehen davon aus, dass die Träume Warnzeichen oder Hinweise sind, die man entschlüsseln und lösen kann.

Albträume durch Traumdeutung besser verstehen: Das Traumtagebuch

Um Albträume zu verhindern, muss man sie zunächst besser verstehen. Oft verschwimmen die Erinnerungen an Träume schnell. Ein Traumtagebuch kann helfen, Träume festzuhalten. Lege dir dazu einen Stift und ein Notizbuch auf den Nachttisch und notiere dir den Inhalt des Albtraums direkt nach dem Aufwachen. Mit der Zeit hat das oft den Effekt, dass man sich an immer mehr Träume immer genauer erinnern kann.

Dahintersteckenden Konflikt erkennen und lösen

In manchen Fällen scheinen bestimmte Konflikte, Ängste oder Lebensumstände die Albträume zu verursachen. Es kann deshalb sinnvoll sein, sich zu überlegen:

  • Welches Gefühl herrscht im Traum vor?
  • Stecken Situationen, Erinnerungen oder Emotionen aus dem wahren Leben in den Albträumen?
  • Gibt es wiederkehrende Muster?
  • Waren die Albträume immer gleich oder haben sie sich in letzter Zeit verändert? Mit welchen Lebensphasen standen die Veränderungen im Zusammenhang?
  • Was könnte dahinterstecken? Möchten meine Albträume mir vielleicht etwas sagen?
  • Zeigen mir die Träume, dass ich etwas in meinem Leben ändern sollte?

Kommst du damit jedoch nicht weiter, können die folgenden Tipps helfen, Albträume loszuwerden oder nicht mehr so gefährlich erscheinen zu lassen.

Auseinandersetzung mit den Albtrauminhalten

Albträume verlieren oft ihren Schrecken, wenn man sich damit bewusst im Wachzustand auseinandersetzt (3). Das macht man sich bei der Konfrontationstherapie zu Nutze, die als eine der besten Behandlungen gegen Albträume gilt. Dabei schreibst du zum Beispiel den Albtraum auf und liest ihn dann mehrmals laut vor. Dadurch gewöhnst du dich an die erschreckende Situation (Desensibilisierung). Das kann anfangs aber stark belastend sein. Machen dir deine Träume große Angst und hast du ein ungutes Gefühl, wenn du dich mit den Trauminhalten alleine auseinandersetzt, dann solltest du besser mit einem erfahrenen Psychologen oder Schlafmediziner sprechen.

Zum Regisseur der eigenen Albträume werden: Imagery Rehearsal Therapy (IRT)

In zahlreichen Studien zeigte sich die sogenannte IRT (Imagery Rehearsal Therapy) sehr wirksam gegen Albträume (4). Ziel ist es, den Ablauf des Albtraums zu verändern. Das Belastende an Albträumen ist oft, dass sie sich stetig wiederholen. Dadurch entsteht ein Muster, dass sich im Gehirn festsetzt. Um dieses Muster aufzubrechen, entwickelt man bei der IRT einen alternativen Ablauf des Traums. Als Beispiel: Fällst du, stellst du dir vor, es wachsen dir Flügel. Wirst du verfolgt, kannst du dir vorstellen, du stellst dich dem Verfolger, der sich als gar nicht so gefährlich entpuppt. Oder jemand kommt dir zur Hilfe.

Solche Alternativen können zusammen mit einem Psychologen entwickelt werden. Möchtest du das selbst probieren, ist wichtig, dass du den neuen Traum zwei Wochen lang jeden Tag mindestens einmal durchgehst und dir jede Szene bildlich vorstellst. Je ähnlicher der alternative Traum deinen Albträumen ist, desto besser. Wenn es klappt, reagierst du im Traum genauso, wie du es geübt hast. Auch wenn Kinder unter Alpträumen leiden, kann man diese Methode oft gut anwenden.

Klartraum: Wie Sie Ihre Träume bewusst steuern können
  • Jens Thiemann
  • Herausgeber: Rowohlt Taschenbuch
  • Auflage Nr. 6 (01.07.2013)
  • Taschenbuch: 160 Seiten

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Was ist luzides Träumen (Klarträumen) und kann das jeder?

Luzide Träume oder Klarträume sind Träume, in denen wir uns bewusst sind, dass wir uns gerade in einem Traum befinden. Dadurch lässt sich der Traum aktiv steuern und verändern. Dieser Zustand kann über verschiedene psychologische Techniken oder Meditation erreicht werden (5). Klarträume wurden schon vor langer Zeit im Buddhismus eingesetzt, zum Beispiel als Traumyoga. Menschen, die zu Klarträumen in der Lage sind, nennt man Oneironauten. Nicht jeder ist dazu in der Lage, aber vielen Menschen gelingt es, wenn sie gezielt daran arbeiten. Mehr Informationen findest du in den Buchtipps.

Die einfachste Methode Klarträume zu erleben: Frage dich jeden Tag so oft wie möglich, ob du wach bist oder träumst. Machst du das über eine lange Zeit (oft sind mehrere Monate nötig), geht die Frage dir so in Fleisch und Blut über, dass du sie dir irgendwann auch im Traum stellst – und den Traum dann bewusst erlebst.

Wenn du selbst Erfahrungen mit Albträumen gemacht hast oder Fragen dazu hast, kannst du dich gerne in unserem Forum darüber austauschen.

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Quellenangaben

  1. Hutchison IC, Rathore S. The role of REM sleep theta activity in emotional memory. Front Psychol. 2015;6:1439.
  2. Schredl M. Continuity between waking and dreaming: A proposal for a mathematical model. Sleep and Hypnosis. 2003;5:38–52.
  3. Lancee J, et al. Cognitive-behavioral self-help treatment for nightmares: a randomized controlled trial. Psychother Psychosom. 2010;79(6):371-7.
  4. Thünker J, Pietrowsky R. Effectiveness of a manualized imagery rehearsal therapy for patients suffering from nightmare disorders with and without a comorbidity of depression or PTSD. Behav Res Ther. 2012;50(9):558-64.
  5. Stumbrys T, et al. Induction of lucid dreams: a systematic review of evidence. Conscious Cogn. 2012;21(3):1456-75.
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