Vorsorgedokumente online erstellen: Ein Testbericht

Vorsorgedokumente wie die Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht können im Ernstfall viele Dinge erleichtern. Wir testen für euch eine Plattform, auf der solche Dokumente in Deutschland digital erstellt, individuell angepasst und verwaltet werden können.

Wieso sind Vorsorgedokumente wichtig?

Niemand beschäftigt sich gerne mit den Themen Krankheit und Tod. Triffst du allerdings vorab bereits wichtige Entscheidungen für dich oder deine Familie, hat das zwei große Vorteile: Es gewährleistet, dass der eigene Wille bei Bedarf bekannt ist und umgesetzt wird. Und es entlastet die Angehörigen, wenn der Ernstfall eintritt.

Dazu sind verschiedene Dokumente nötig und sinnvoll. Für all diese Dokumente gilt, dass sie bestimmten rechtlichen Anforderungen entsprechen müssen. Zudem sollten auch alle wichtigen Fragestellungen und Eventualitäten abgedeckt sein. Dafür gibt es im Netz zwar zahlreiche Vorlagen, diese sind jedoch wenig individuell. Wir haben deshalb eine Möglichkeit getestet, solche Dokumente online auf meine-vorsorgedokumente.de (*) zu erstellen und zu verwalten.

Welche Dokumente können erstellt werden?

Auf der Plattform können alle wichtigen Vorsorgedokumente erstellt werden. Dazu gehören folgende Dokumente:

  • Patientenverfügung: In der Patientenverfügung wird angegeben, welche medizinischen Maßnahmen gewünscht oder abgelehnt werden. Sobald du dich selbst nicht mehr zu geplanten Maßnahmen äußern kannst, wird die Verfügung wirksam.
  • Vorsorgevollmacht: Die Vorsorgevollmacht regelt, wer in deinem Namen entscheidet, wenn du es selbst nicht mehr kannst. Das kann medizinische Behandlungen, Pflegemaßnahmen oder finanzielle Angelegenheiten betreffen. In Deutschland hat nur jeder zweite Intensivpatient eine Vorsorgevollmacht (1). Ohne Vollmacht muss ein Betreuer vom Gericht bestellt werden.
  • Betreuungsverfügung: Die Betreuungsverfügung ähnelt der Vorsorgevollmacht, ist aber nicht rechtsverbindlich. Der Betreuer ist nicht zu Handlungen berechtigt. Allerdings schlägst du damit dem Betreuungsgericht einen Betreuer vor, der dann vom Gericht bestätigt und unterstützt wird.
  • Organspendeausweis: Hier gibst du an, ob nach deinem Tod Organe und Gewebe entnommen werden dürfen, welche das sind oder ob eine von dir benannte Person darüber entscheiden soll.
  • Sorgerechtsverfügung: In der Sorgerechtsverfügung gibst du an, wer sich nach deinem Tod, bzw. wenn du nicht mehr ansprechbar bist, um dein Kind/deine Kinder kümmern soll. In der Regel folgt das Gericht diesem Wunsch, solange keine schwerwiegenden Gründe dagegensprechen.
Screenshot des Online Systems von meine-vorsorgedokumente.de
Abb.1 Screenshot des Online-Systems von meine-vorsorgedokumente.de

Wie funktioniert die digitale Erstellung der Vorsorgedokumente?

Die Erstellung ist einfach und sehr intuitiv. Alle wichtigen Punkte werden abgefragt. Hat man sich vorher noch nicht viele Gedanken über alle relevanten Fragestellungen gemacht, kann die Erstellung länger dauern. Denn es werden zum Teil Fragen gestellt, die man zunächst für sich selbst beantworten muss. Im Falle der Patientenverfügung sind das Fragen wie: Möchte ich lebensverlängernde Maßnahmen? Möchte ich im Falle schwerer Krankheit schmerzfrei sein, selbst wenn starke Schmerzmittel mein Leben verkürzen könnten? Bei manchen Menschen kann es sicher auch sinnvoll sein, diese Fragen auch vorab oder bei Erstellung gemeinsam mit der Person, die später entscheiden soll, durchzugehen.

Screenshot des Online Systems von meine-vorsorgedokumente.de
Abb.2 Screenshot des Online-Systems von meine-vorsorgedokumente.de

Ist das Dokument fertig erstellt, kann es nach der Bezahlung als PDF heruntergeladen werden. Das funktioniert reibungslos. Auf der Plattform meine-vorsorgedokumente.de kann das Dokument anschließend ausgedruckt und unterschrieben werden, um so die Rechtsgültigkeit sicherzustellen.  Dann sollten die Angehörigen oder entsprechende Vertrauenspersonen informiert werden, wo das Dokument abgelegt ist. Zusätzlich hat man direkt auf der Plattform auch die Möglichkeit, die Dokumente zu speichern, zu verwalten und Angehörigen, Freunden oder dem Ehepartner digitalen Zugriff darauf zu gewähren.

Screenshot des Online Systems von meine-vorsorgedokumente.de
Abb.3 Screenshot des Online-Systems von meine-vorsorgedokumente.de

Vorteile der digitalen Erstellung

Durch die einfache und verständliche Abfrage kann man relativ schnell und übersichtlich sicher gehen, dass man bei der Erstellung seiner Dokumente keinen Aspekt auslässt. Die Vorlagen können individuell konfiguriert und dadurch an die persönliche Lebenssituation angepasst werden. Während der Erstellung sieht man direkt eine Vorschau und kann sehen, wie sich die Beantwortung der einzelnen Fragen auf das fertige Dokument auswirkt. Nutzt man die digitale Ablage im persönlichen Kundenbereich, können die berechtigten Angehörigen oder Vertrauenspersonen dort direkt auf die Dokumente zugreifen. Alle Dokumente und Zugriffsrechte können dann auch schnell und einfach geändert werden.

Alle angebotenen Dokumente gelten ohne notarielle Beurkundung, was Zeit und Geld spart. Die Dokumentvorlagen wurden gemeinsam mit dem Mutterkonzern, der NÜRNBERGER Versicherung, entwickelt und sind rechtssicher formuliert. Die stetige Überprüfung der Vorlagen wird durch eine Rechtsanwaltskanzlei übernommen.

Nach Abschluss der Dokumentenerstellung erhält man einen Vordruck für eine Notfallkarte. Möchte man diese nutzen, kann man sie ausfüllen, unterschreiben und bei sich tragen. Bei einem Unfall, plötzlicher Erkrankung oder anderen Ernstfällen kann über die Karte die Kontaktperson schnell erreicht werden, die den online-Zugriff auf die hinterlegten Notfalldokumente hat.

Hinweis für österreichische Staatsbürger

Unser Artikel ist für in Deutschland gemeldete Leser gedacht. Für Österreicher ist die Registrierung auf einer deutschen Webseite problematisch (2). Nachfolgend findest du weiterführende Informationen:

Patientenverfügung allgemein

„Patientenverfügungen basieren auf nationalen Gesetzen. Deshalb sind die Vorsorgedokumente im Ausland grundsätzlich nicht rechtlich bindend – egal ob EU- oder Nicht-EU-Ausland. Das bedeutet: Während sich deutsche Ärzte an die Anweisungen in der Verfügung per Gesetz halten müssen, ist das im Ausland nicht der Fall.“ 

und

„In Österreich können Sie eine „beachtliche Willenserklärung“ verfassen, an die sich Ärzte nicht halten müssen. Oder Sie verfassen eine verbindliche Patientenverfügung – dafür müssen Sie sich ärztlich beraten lassen und die Verfügung gemeinsam mit einem Juristen verfassen. Die österreichische Patientenverfügung ist außerdem nur 8 Jahre gültig.“ (3)

Patientenverfügung im Österreichischen Recht

Bundesgesetz über Patientenverfügungen (Patientenverfügungs-Gesetz – PatVG) (4)

(1) Eine Patientenverfügung ist verbindlich, wenn sie schriftlich unter Angabe des Datums 1. vor einem Rechtsanwalt oder 2. vor einem Notar oder 3. vor einem rechtskundigen Mitarbeiter der Patientenvertretungen (§ 11e des Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetzes, BGBl. Nr. 1/1957) oder 4. nach Maßgabe technischer und personeller Möglichkeiten vor einem rechtskundigen Mitarbeiter eines Erwachsenenschutzvereins errichtet worden ist und der Patient über die Folgen einer verbindlichen Patientenverfügung sowie die Möglichkeit des jederzeitigen Widerrufs belehrt worden ist.

(2) Die in Abs. 1 genannten Personen haben die Vornahme dieser Belehrung in der Patientenverfügung durch eigenhändige Unterschrift sowie unter Angabe ihres Namens und ihrer Anschrift zu dokumentieren und nach Maßgabe einer Verordnung der Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz gemäß § 14d ab technischer Verfügbarkeit die Patientenverfügung – sofern der Patient nicht widerspricht – in ELGA zur Verfügung zu stellen. In einer Verordnung gemäß § 14d ist festzulegen, in welcher Weise eine Zurverfügungstellung, allenfalls unter Einbindung der ELGA-Ombudsstelle gemäß § 17 GTelG 2012, zu erfolgen hat.

Vorsorgevollmacht im Österreichischen Recht

Die Vorsorgevollmacht kann nur vor einer Notarin/einem Notar, einer Rechtsanwältin/einem Rechtsanwalt oder in einfachen Fällen auch vor einem Erwachsenenschutzverein (falls ausreichend Kapazitäten vorhanden sind) errichtet werden. Sie muss schriftlich sein. Eine weitere Voraussetzung für die Errichtung ist die Geschäftsfähigkeit. (5)

Unser Fazit

Die Erstellung von Vorsorgedokumenten für den Notfall ist für deutsche Staatsbürger über meine-vorsorgedokumente.de (*) schnell und einfach möglich. Besonders positiv ist uns aufgefallen, dass beim Erstellungsprozess alle wichtigen Fragen beantwortet werden müssen. So ist man gezwungen, sich in kleinen Häppchen über alle Aspekte Gedanken zu machen und zu entscheiden, was einem persönlich wirklich wichtig ist und was nicht. Auch die digitale Zugriffsmöglichkeit für Vertrauenspersonen ist eine sehr sinnvolle Einrichtung, die verhindert, dass Dokumente nicht zeitnah besorgt werden können oder möglicherweise gar nicht mehr gefunden werden.

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Quellenangaben

  1. Ärzteblatt: Nur jeder zweite Intensivpatient hat eine Vorsorgevollmacht. 22. August 2017
  2. Wir danken Mag. Beatrix Mesa Pascasio für die Recherche und sachdienlichen Hinweise.
  3. Im Internet: https://www.patientenverfuegung.digital/blog/patientenverfugungen-im-ausland. Abgerufen am 25. November 2020
  4. StF: BGBl. I Nr. 55/2006 (NR: GP XXII RV 1299 AB 1381 S. 142. BR: AB 7518 S. 733.) Errichtung § 6.
  5. Im Internet: https://www.oesterreich.gv.at/themen/soziales/erwachsenenvertretung_und_vorsorgevollmacht_bisher_sachwalterschaft/4.html. Abgerufen am 25. November 2020

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Bildquellen

  • Eine Frau bei einem Laptop: meine-vorsorgedokumente.de
  • Vorsorgedokumente online erstellen: meine-vorsorgedokumente.de
Dr. Silvia Nold

Dr. Silvia Nold ist promovierte Biologin und hat eine abgeschlossene Ausbildung als pharmazeutisch-technische Assistentin mit Schwerpunkt Ernährungslehre. Sie war mehrere Jahre in der medizinischen Diagnostik tätig. Dr. Nold schreibt für Lanaprinzip Publishing e.U. über Themen der Biologie, Medizin und Ernährung.