Ein Mann mit einer Atemschutzmaske und Samen von Gräsern im Wind

Warum Allergien immer häufiger werden

in Körper von Dr. Silvia NoldKommentar verfassen

Allergien werden immer häufiger, jeder Dritte ist betroffen. Umweltgifte, unser Lebensstil, Hygienemaßnahmen, zu wenig Kontakt mit Tieren und Keimen: Das alles könnte zu den steigenden Zahlen beitragen.

Die Zahl der Allergiker stieg in den letzten Jahrzehnten stark an. Insgesamt ist hierzulande inzwischen rund jeder Dritte betroffen. 35,8 Prozent der Frauen und 24,1 Prozent der Männer leiden an einer Allergie (1). 15 Prozent der Deutschen haben Heuschnupfen. Auch die Zahl der Menschen mit allergischem Asthma steigt. Fast jeder Zehnte entwickelt im Laufe seines Lebens Asthma. Dass die steigende Zahl der Allergien bedenklich ist, bestätigen viele Forscher. Das deutsche Robert-Koch-Institut warnt, dass von einer „wichtigen, häufigen und die Lebensqualität Vieler beeinträchtigenden Volkskrankheit“ gesprochen werden muss (2). Hier erfährst du, woher die steigende Zahl der allergischen Erkrankungen kommt und ob eine Vorbeugung möglich ist.

Warum steigt die Zahl der Allergiker?

Woran liegt es, dass unser Körper immer öfter auf harmlose Auslöser mit einer übersteigerten Reaktion reagiert? Forscher vermuten eine Reihe unterschiedlicher Gründe, von denen wahrscheinlich mehrere in Kombination zutreffen.

Unsere Umwelt und unser Lebensstil steigern das Allergierisiko

Der schnelle Anstieg der Allergien betrifft in erster Linie Industrieländer und kaum die ländlicheren Regionen der Entwicklungsländer. Ein Zusammenhang mit Umwelt und Lebensstil liegt also nahe. Wir haben deutlich häufiger Kontakt mit Allergenen, als es die vorhergehenden Generationen hatten oder als es in wenig industrialisierten Ländern der Fall ist. Je häufiger der Kontakt mit Allergenen, desto eher entwickelt sich eine Allergie. Dazu kommen Belastungen durch Autoabgase, Zigarettenrauch und verschiedene Umweltgifte. Auch fehlende Bewegung, ständiger Stress und eine schlechte Ernährung können zu Allergien beitragen, da sie das Immunsystem schwächen.

Die Hygiene-Hypothese: Weniger Kontakt zu Bakterien

Früher hatten Menschen ständig Kontakt zu einer Vielzahl von Keimen und zu Nutztieren wie Kühen. Haben Kinder bereits im jungen Alter (unter einem Jahr) Kontakt zu Milchkühen und halten sich in Ställen auf, sinkt das Risiko für Asthma, Heuschnupfen und Hauterkrankungen (3). Der Schutz vor Allergien war am effektivsten, wenn die Kinder in den nächsten Jahren weiterhin regelmäßig Kuhställe besuchten. Als Grund wird vermutet, dass das Immunsystem durch die Vielzahl verschiedener Keime angeregt und trainiert wird.

Weniger Parasiten, mehr Allergien?

Unsere Vorfahren hatten mit etlichen Erkrankungen und Parasiten zu kämpfen. Ein Beispiel sind Würmer, von denen früher fast jeder befallen war. Seit einigen Jahren beschäftigen sich Forscher mit der Wirkung, die Würmer auf das Immunsystem haben. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Wurmbefall das Allergierisiko senkt. Da Würmer jedoch auch schädliche Wirkungen haben, versuchen Wissenschaftler, bestimmte Proteine oder Wirkstoffe zu identifizieren, die für die Schutzwirkung des Wurmbefalls verantwortlich sind. In Zukunft könnte das neue Ansätze für die Behandlung von Allergien liefern.

Klimaerwärmung: Zahl der Pollen steigt und neue Pollenarten kommen hinzu

Etwa die Hälfte aller Allergiker leiden an Heuschnupfen. Damit ist die Pollenallergie die häufigste Allergie. Warum die Zahl der Pollenallergiker besonders schnell steigt, hängt unter anderem mit klimatischen Veränderungen zusammen. Die Zahl der Pollen steigt, da die Blühphase vieler Pflanzen länger ist als noch vor 30 Jahren. Zusätzlich verbreiten sich bei uns immer mehr nicht-einheimische Pflanzen. Ein Beispiel ist Ambrosia, eine Beifuß-Art, die aus Nordamerika eingeschleppt wurde. Ambrosia hat besonders aggressive Pollen und führt nicht nur besonders häufig zu Allergien, sondern auch zu besonders heftigen Symptomen.

Pollen werden durch Feinstaub und Schadstoffe aggressiver

Feinstaub nennt man kleinste Partikel (wenige Mikrometer Durchmesser), die in der Luft schweben. Feinstaub entsteht auch auf natürlichem Weg durch Brände, Sporen von Pilzen oder Bodenerosion. Doch in den letzten Jahrzehnten stieg die durch Menschen verursachte Feinstaubbelastung durch Industrie und Autoabgase massiv an. Feinstaub kann sich an Pollen anlagern. Stickstoffdioxid aus Abgasen tritt in Wechselwirkung mit bestimmten Proteinen der Pollen. Dadurch steigt die Allergiegefahr. Forscher vom Helmholtz-Zentrum in München berichten: Pollen der Ambrosia lösen mehr und stärkere allergische Reaktionen aus, wenn die Pollen mit Autoabgasen in Kontakt kamen (4).

Veränderungen der Darmflora könnten Allergien begünstigen

Aktuell zeichnet sich immer stärker ab, dass der Darm und die darin lebenden Bakterien, die Darmflora, viel größeren Einfluss auf den gesamten Körper haben, als man früher dachte. Dazu empfehle ich das Buch „Darm mit Charme“, auch zu finden in den Buchtipps am Ende des Artikels. Unter anderem hängt die Darmflora eng mit dem Immunsystem zusammen und könnte auch maßgeblichen Einfluss auf allergische Reaktionen haben. Das zeigen auch Ergebnisse einer Studie aus den USA. Ein Präparat mit probiotischen Bakterien (Lactobacillus, Bifidobacterium) konnte Heuschnupfen-Symptome abmildern (5).

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Was bedeutet das für uns: Kann man Allergien vorbeugen?

Die Ursachen der steigenden Allergie-Zahlen machen uns oft betroffen. Auch mich, denn ich habe selbst Heuschnupfen. Die meisten der Auslöser können wir selbst leider nur wenig beeinflussen. Autoabgase zu meiden ist zum Beispiel nur bedingt möglich, denn nicht jeder kann und möchte in einsamen, ländlichen Regionen leben. Doch es gibt einige Dinge, die du selbst tun kannst.

Was kann der Arzt tun?

Allergien lassen sich, wenn sie einmal entstanden sind, in der Regel nicht so einfach heilen oder ganz beseitigen. Medikamente wie Antiallergika helfen, die Symptome zu lindern. In schweren Fällen können Ärzte auch stärkere Mittel wie Cortison gegen die Beschwerden einsetzen. Ein Allergietest beim Hautarzt oder Allergologen gibt Sicherheit, welche Allergene die Allergie auslösen. Das ist wichtig, um (wenn möglich) gezielt die Auslöser meiden zu können oder eine Hyposensibilisierung vorzunehmen. Eine Vorbeugung ist allerdings medikamentös weder möglich noch sinnvoll.

Was können wir selbst tun?

Eine Frau auf einer Wiese im Sonnenschein, die glücklich istNeben der ärztlichen Behandlung können auch eine Ernährungsumstellung, Nahrungsergänzungsmittel oder Probiotika einen positiven Einfluss haben. Alternative Heilmethoden wie die Akupunktur oder Heilfasten haben sich ebenfalls bewährt und können die Schulmedizin sinnvoll ergänzen. Auch alles, was unser Immunsystem unterstützt, ist hilfreich. Wir haben Tipps zusammengestellt, wie du dein Immunsystem stärken oder mit natürlichen Enzymen die Körperabwehr unterstützen kannst.

Schon in der Schwangerschaft und bei Babys vorsorgen

Ideal ist, wenn Allergien erst gar nicht entstehen. Heute weiß man, dass Babys und Kleinkinder nicht geschont und übertriebener Hygiene ausgesetzt werden sollten. Kontakt mit verschiedensten Keimen und Nahrungsmitteln regt das Immunsystem an und trainiert es. In den unten stehenden Buchtipps findest du dazu das Buch „Allergien vorbeugen“, falls das Thema bei dir gerade aktuell ist.

Bist du selbst von Allergien betroffen, hast noch Fragen oder möchtest hilfreiche Tipps mit anderen teilen? Dann tausche dich in unserem Forum unter https://gesundheit-koerper-seele.com/forum/ mit anderen aus.

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Buchempfehlungen zum Thema Allergien

 

Quellenangaben

  1. Langen U, et al / Robert-Koch-Institut Berlin: Häufigkeit allergischer Erkrankungen in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt 2013, 56:698–706.
  2. Karl-Christian Bergmann, et al. Aktueller Stand zur Verbreitung von Allergien in Deutschland Positionspapier der Kommission Umweltmedizin am Robert Koch-Institut. Allergo J Int 2016; 25: 6.
  3. Riedler J, et al. Long-term and early-life exposure to stables and farm milk induces a strong protective effect against development of asthma, hay fever, and atopic sensitisation. Lancet 2001;358(9288):1129-33.
  4. Zhao F, et al. Common ragweed (Ambrosia artemisiifolia L.): allergenicity and molecular characterization of pollen after plant exposure to elevated NO2. Plant Cell Environ 2016;39(1):147-64.
  5. Dennis-Wall JC, et al. Probiotics (Lactobacillus gasseri KS-13, Bifidobacterium bifidum G9-1, and Bifidobacterium longum MM-2) improve rhinoconjunctivitis-specific quality of life in individuals with seasonal allergies: a double-blind, placebo-controlled, randomized trial. Am J Clin Nutr 2017;105(3):758-767.
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