Eine Frau mit Klopapier vor dem WC, sie hat Durchfall durch Reizdarm

Was ist Reizdarm? Symptome und Ursachen

in Gesundheit für den Körper von Dr. Silvia NoldKommentar verfassen

Das Reizdarmsyndrom, kurz Reizdarm genannt, kann die Lebensqualität stark einschränken. Die Ursachen sind vielfältig. Oft kommen mehrere Faktoren zusammen, die den Reizdarm auslösen oder die Symptome verstärken. In diesem Artikel erfährst du mehr über Ursachen und Symptome des Reizdarmsyndroms (RDS), wie die Untersuchung des Reizdarms durchgeführt bzw. wie der Reizdarm diagnostiziert wird.

Die Diagnose Reizdarm wird oft erst nach langer Zeit und vielen Untersuchungen gestellt. Ist die Diagnose endlich da, ist das oft auch nicht zufriedenstellend. Denn Reizdarm heißt auch: Ursache weitgehend unbekannt. Entsprechend gibt es auch nicht „die Therapie“, sondern nur verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern oder im Idealfall ganz zum Verschwinden zu bringen. Dadurch kann bei Betroffenen (aber nicht selten auch bei Ärzten) Unsicherheit und Frustration entstehen.

Das Gute daran ist, dass ein Reizdarm nicht gefährlich ist. Allerdings können starke Symptome das Alltagsleben beeinträchtigen. Zum Teil so weit, dass Betroffene nicht mehr gerne ausgehen, nicht mehr in den Urlaub fahren möchten oder ihren Beruf nicht mehr mit voller Leistungsfähigkeit ausüben können.

Leidest du unter Reizdarm oder hast die Vermutung, dass deine Verdauungsbeschwerden auf ein Reizdarmsyndrom zurückzuführen sind? Wir erklären hier, was sich hinter dem Reizdarmsyndrom verbirgt und warum die Diagnostik nicht so einfach ist.

Was ist ein Reizdarmsyndrom?

Das Reizdarmsyndrom (kurz Reizdarm) wird manchmal auch Irritables Darmsyndrom (IDS) oder im Englischen irritable bowel syndrome (IBS) genannt. Menschen mit Reizdarm haben einen besonders empfindlichen Darm. Sie können auf verschiedene Faktoren wie Stress oder bestimmte Nahrungsmittel mit Darmbeschwerden wie Blähungen, Schmerzen, Durchfall oder Verstopfung reagieren.

Experten schätzen, dass bis zu 10 Prozent aller Menschen von unspezifischen Darmproblemen betroffen sind (1). In Industrieländern ist die Zahl der Betroffenen noch höher. Jeder fünfte Patient beim Hausarzt und ungefähr jeder zweite Patient beim Facharzt (Gastroenterologen) ist wegen Darmerkrankungen dort. Etwa die Hälfte der Patienten, die wegen Darmbeschwerden zum Arzt gehen, hat ein Reizdarmsyndrom. Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer (2). Und dennoch ist der Reizdarm eine der Erkrankungen, über deren Entstehung und Auslöser immer noch wenig bekannt ist.

Symptome eines Reizdarms

Wie erkennt man ein Reizdarmsyndrom? Gemeinsam haben alle Reizdarmpatienten, dass sie immer wieder unter Darmbeschwerden leiden. Die Diagnose ist jedoch nicht leicht, denn alle Symptome können auch andere Ursachen haben (siehe unten).

Die folgenden Symptome müssen nicht alle auftreten. Bei manchen Betroffenen wechseln beschwerdefreie Zeiten mit stärkeren Symptomen ab. Es kann vorkommen, dass bestimmte Nahrungsmittel, Stress oder psychische Belastungen die Beschwerden verschlimmern.

  • Bauchschmerzen: Ein Druck im Bauch, krampfartige Schmerzen, Völlegefühl oder ein generelles Unwohlsein im Bauchbereich sind bei einem Reizdarm häufig.
  • Blähungen: Ein aufgeblähter Bauch oder ein übermäßiger Abgang von Blähungen sind häufige Symptome bei Reizdarm. Sind Blähungen stark ausgeprägt, wird für Betroffene ein Aufenthalt in der Öffentlichkeit oft unangenehm.
  • Durchfall oder weicher Stuhl: Häufigerer Stuhlgang und weicher Stuhl bis hin zu echtem Durchfall können auftreten. Manchmal wechseln Durchfall und Verstopfung auch ab.
  • Verstopfung oder erschwerter Stuhlgang: Während einige Betroffene unter Durchfall leiden, habe andere eher Verstopfung. Von Verstopfung spricht man, wenn weniger als dreimal wöchentlich eine Darmentleerung stattfindet. Bei Reizdarm kommt es manchmal vor, dass Betroffene zwar keine echte Verstopfung haben, aber Probleme beim Stuhlgang (lange Dauer, starkes Pressen, Bauchschmerzen, Gefühl der Darm sei nicht vollständig entleert).
  • Plötzlicher Stuhldrang: Typisch für einen Reizdarm ist auch, dass Betroffene manchmal sehr plötzlich einen Stuhldrang verspüren. Manchmal auch, wenn sie vor kurzem erst auf der Toilette waren.
  • Beschwerden bessern sich durch Stuhlgang: Bei Reizdarm fühlen sich Betroffene nach dem Stuhlgang oft zunächst besser.

Zusammenhang mit weiteren Erkrankungen und Symptomen

Menschen mit Reizdarm klagen oft auch über weitere Probleme wie Kopfschmerzen, Gereiztheit, Schmerzen in Muskeln oder Gelenken oder Müdigkeit (bis hin zu einer starken Erschöpfung). Mediziner erforschen momentan noch, woran das liegt. Einer der gemeinsamen Faktoren könnte vielleicht die Darmflora sein, die – wie sich in den letzten Jahren immer stärker zeigt – sehr großen Einfluss auf den gesamten Körper hat.

Es gibt immer wieder Fälle, bei denen Betroffene zusätzlich zum Reizdarmsyndrom Erkrankungen wie Fibromyalgie, chronisches Fatigue-Syndrom, Magenerkrankungen, Depressionen oder Angststörungen entwickeln. Auch hier ist der Zusammenhang bisher nicht klar.

Diagnose eines Reizdarmsyndroms

Da die Symptome eines Reizdarms auch andere Ursachen haben können, muss der Arzt diese zunächst ausschließen. Deshalb ist der Weg bis zur Diagnose für Betroffene oft mühsam. Wichtig ist hier, so betonen Experten (1), dass der Arzt einfühlsam auf den Patienten eingeht und gut informiert ist. Für dich heißt das: Fühlst du dich nicht ernst genommen oder schiebt der Arzt die Symptome ohne weitere Untersuchungen auf psychische Ursachen, dann kann eine Zweitmeinung helfen. Unter Umständen auch bei einem Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen, einem Gastroenterologen.

Für die Diagnose schließt der Arzt also je nach Symptomen zunächst mögliche andere Ursachen aus. Dazu gehören Zöliakie, Lebensmittelallergien, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (zum Beispiel Colitis ulcerosa), Lebererkrankungen, Darmkrebs oder Magengeschwüre. Dafür kann der Arzt je nach Verdacht manchmal eine Darmspiegelung, eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums oder eine Magenspiegelung für nötig halten. Eine Blutuntersuchung und Kotuntersuchung wird in vielen Fällen durchgeführt. Bei Verdacht auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten können Atemtests eine Laktoseintoleranz, eine Fructosemalabsorption oder eine Sorbitunverträglichkeit zeigen. Eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) lässt sich durch die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe aus dem Darm nachweisen.

Ergeben all diese Untersuchungen keine medizinische Ursache der Darmbeschwerden, lautet die Diagnose Reizdarm. Ein Darm also, der (über)empfindlich auf verschiedene Auslöser reagiert.

Ein Zusammenschluss aus internationalen Experten hatte sich 2006 intensiv mit dem Phänomen Reizdarmsyndrom beschäftigt und die sogenannten Rom-III-Kriterien entwickelt. Demnach liegt dann ein RDS vor, wenn:

  • Bauchschmerzen an mindestens 3 Tagen im Monat und über die vergangenen 3 Monate auftraten
  • Zusätzlich müssen zwei von folgenden Symptomen vorhanden sein:
    • Linderung der Beschwerden nach erfolgtem Stuhlgang
    • Beginn der Beschwerden mit Änderung der Häufigkeit des Stuhlgangs
    • Beginn der Beschwerden mit Änderung der Stuhlbeschaffenheit (Konsistenz und Aussehen)

Eine deutsche Fachgruppe hatte im Jahr 2011 ähnliche Kriterien in Form einer Leitlinie veröffentlicht (S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten - DGVS). Diese befindet sich aktuell in Überarbeitung.

Ursachen für Reizdarm

Eine atraktive Frau beim Essen, mit einer Schüssel Salat in der HandDer Reizdarm ist ein sehr komplexes Krankheitsbild, bei dem vermutlich viele Faktoren zusammenspielen. Früher gingen Ärzte oft davon aus, dass die Ursache psychisch ist. Doch heute weiß man, dass das nur zum Teil der Fall ist. Psychische, körperliche und soziale Einflüsse spielen eine Rolle (1). Je nach Patient wiegen die einzelnen Faktoren unterschiedlich stark. Einige der unten genannten Auslöser tragen dazu bei, dass Betroffene anfälliger für Reizdarm sind. Andere lösen akute Symptome aus oder verschlimmern vorhandene Beschwerden.

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Auch wird z. B. eine erhöhte Dehnungssensibilität der Darmmuskulatur bzw. eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit diskutiert. Vermutet wird ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren, das zum Krankheitsbild des „Reizdarmsyndroms“ führt. Diese Faktoren können u. a. bakterielle Fehlbesiedlungen im Dünn- und Dickdarm sowie Einflüsse von Zusatzstoffen in der Nahrung, aber auch die Auswirkungen einer übermäßigen Antibiotikaeinnahme sein. Ebenfalls eine große Rolle dürften Veranlagung, Stress und psychische Belastungen spielen. Der enge Zusammenhang zwischen Darm und Psyche ist mittlerweile unumstritten.

Mögliche Auslöser des Reizdarmsyndroms

Die folgenden Faktoren könnten Forschern zufolge einen Reizdarm verursachen oder die Symptome auslösen bzw. verstärken.

  • Genetische Disposition (Veranlagung): Veranlagung kann das Risiko erhöhen, einen Reizdarm zu entwickeln. Dazu müssen aber in der Regel noch einer oder mehrere der unten genannten Auslöser kommen.
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Nahrung hat einen großen Einfluss auf das Reizdarmsyndrom. Bei 50 bis 70 Prozent der Betroffenen liegen Probleme mit bestimmten Nahrungsinhaltsstoffen vor. Oft sind Lactose, Fructose oder Sorbit die Übeltäter (2). Manchmal hängen Beschwerden jedoch mit bestimmten Nahrungsmitteln zusammen, es lässt sich aber keine Unverträglichkeit nachweisen. Schuld könnten dann zum Beispiel die FODMAPs sein (mehr dazu weiter unten und in den Buchtipps).
  • Vorangegangene Magen-Darm- Infekte: In sieben bis 36 Prozent aller Fälle beginnt die Reizdarmerkrankung nach einem Magen-Darm- Infekt, zeigen Forscher aus Tübingen (3). Schuld können Reisedurchfall oder Infektionen mit Salmonellen, Shigellen, EHEC und anderen Keimen sein.
  • Psychologische Faktoren: Menschen mit Depressionen, Ängsten oder posttraumatischem Belastungssyndrom entwickeln häufiger ein Reizdarmsyndrom.
  • Stress: Starker Stress, große Sorgen und Belastungen können die Symptome des Reizdarms oft verstärken.
  • Darmflora: In den letzten Jahren zeigten immer mehr Studien, dass es im Umfeld des Darms und seiner Darmflora sehr viele Wechselwirkungen gibt, die wir bisher noch nicht vollständig entschlüsselt und verstanden haben. Bei Reizdarm scheint die Darmflora anders zusammengesetzt zu sein, als bei gesunden Menschen (4).
  • Darmnervensystem: Unser Darm ist von einem komplexen Netzwerk eines darmeigenen Nervensystems umgeben. Dieses scheint bei manchen Reizdarm-Patienten empfänglicher für Schmerzreize zu sein. Blähungen oder Darmbewegungen führen daher leichter zu Bauchschmerzen.
  • Verhalten der Ärzte: Eine Rolle spielt auch, wie der Arzt mit den Beschwerden umgeht. Manchmal nimmt der Arzt die Erkrankung entweder nicht ernst oder führt unnötige Untersuchungen und Therapien durch, die nicht weiterhelfen und die Patientin oder den Patienten verunsichern. Das kann die Beschwerden weiter verschlimmern (1).

Welche Untersuchungen werden bei Reizdarmsyndrom (RDS) durchgeführt?

Sämtliche schwerwiegenden Erkrankungen müssen unbedingt mit folgenden Untersuchungsmethoden ausgeschlossen werden können:

  • Magenspiegelung
  • Dickdarmspiegelung
  • Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes
  • Laboruntersuchungen zum Ausschluss von Lebererkrankungen, Allergien, Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) und Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z. B. Milch)
  • Zuckerunverträglichkeitstest (Laktose-, Fruktose-, Sorbitunverträglichkeit)
  • Darmmilieu-Untersuchungen (bakterielle Fehlbesiedlungen)

Alternativ sollte auch eine Untersuchung auf Darmparasiten in Betracht gezogen werden. Darmparasiten können das Immunsystem belasten und gleichermaßen Symptome eines Reizdarmsyndroms auslösen. Ergeben alle Untersuchungen Normalbefunde, kann im Ausschlussverfahren die Diagnose „Reizdarmsyndrom“ gestellt werden.

Behandlung, Tipps und Therapie bei Reizdarm

Reizdarm ist leider immer noch eine der Erkrankungen, über die zu wenig bekannt ist, um sie effektiv behandeln zu können. Es handelt sich um eine sogenannte „funktionale“ Erkrankung. Damit ist gemeint, dass verschiedene psychische und körperliche Faktoren zusammenspielen. Diese sind von Fall zu Fall auch noch unterschiedlich, was die Diagnostik und Behandlung für den Arzt erschwert. Wir werden in weiteren Artikeln noch genauer auf die Behandlung des Reizdarms, die Linderung der Symptome und innovative Therapiemethoden eingehen.

Da unsere Tipps zur Behandlung des Reizdarmsyndroms sehr umfangreich sind, haben wir diese in einem eigenen Fachartikel für dich zusammengefasst: "Hilfe beim Reizdarmsyndrom - Behandlung und Tipps".

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Buchtipps zum Thema Reizdarm

Quellenangaben

  1. Schaefert R, et al. Klinische S3-Leitlinie: Nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(47): 803–13. (Leitlinie aktuell in Überarbeitung).
  2. Häuser W, et al. Funktionelle Darmbeschwerden bei Erwachsenen. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(5): 83-94
  3. Schwille-Kiuntke J, et al. Post-infectious irritable bowel syndrome--a review of the literature. Z Gastroenterol. 2011;49(8):997-1003.
  4. Distrutti E, et al. Gut microbiota role in irritable bowel syndrome: New therapeutic strategies. World J Gastroenterol 2016;22(7):2219–2241.
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