Wie Darm und Depressionen zusammenhängen

Was viele Menschen instinktiv bemerken: Das Bauchgefühl gibt es wirklich. Studien zeigen, dass Darmbakterien die Psyche beeinflussen und eine gestörte Darmflora sogar Depressionen begünstigen kann.

In unserem Darm leben geschätzte 100 Billionen Bakterien aus 1000 verschiedenen Arten. Sie bilden unsere Darmflora und erfüllen viele wichtige Aufgaben. Die Mikroben im Darm helfen bei der Verdauung, produzieren Vitamine, bauen Giftstoffe ab und sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. In den letzten Jahren fanden Forscher auch immer mehr über die Zusammenhänge zwischen dem Darm und der Psyche heraus. Eine gestörte Darmflora kann mit Ängsten, psychischer Verstimmung und Depressionen zusammenhängen. Unterstützen wir unseren Darm, können wir also auch etwas für unsere Psyche tun.

Was bedeutet ein „darmgerechtes“ Leben?

Die Symbiose zwischen dem Menschen und seinen Darmbakterien hat sich über viele Jahrtausende entwickelt. In der Evolution passten sich beide Seiten perfekt aneinander an. In den letzten wenigen Jahrzehnten hat sich unsere Lebensweise jedoch radikal verändert. So schnell, dass unsere Darmbewohner sich nicht daran anpassen konnten. Der Körper muss mit Feinstaub, Abgasen, Pflanzenschutzmitteln und Umweltschadstoffen fertig werden. Die Nahrung ist industriell verarbeitet und enthält große Mengen an tierischen Fetten und Zucker. Nahrungsmittelzusätze wie Farbstoffe, Süßstoffe, Konservierungsmittel, Aromastoffe und Emulgatoren werden in solcher Vielfalt eingesetzt, dass kaum mehr überschaubar ist, was wir alles zu uns nehmen – und wie es sich auswirkt.

Das beeinflusst auch die Darmflora. Es gibt immer mehr Hinweise, dass die steigende Zahl an Unverträglichkeiten und Allergien viel mit der Darmgesundheit zu tun hat. Auch psychische Erkrankungen, Burn-Out, Ängste und Depressionen wurden in den letzten Jahrzehnten immer häufiger. Ein Grund dafür ist sicher der zunehmende Stress und die Hektik in unserer Gesellschaft. Doch neue Studien zeigen, dass die psychische Verfassung auch eng mit unseren Darmbewohnern zusammenhängt.

Wie hängen Darm und Psyche zusammen?

Das Reizdarm-Syndrom lieferte Forschern viele Hinweise, wie eng Darm und Psyche zusammenarbeiten. Mindestens jeder zehnte Mensch ist vom Reizdarm betroffen und leidet unter Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung. Das Reizdarm-Syndrom wirkt sich jedoch auch psychisch aus. Ängste und Depressionen sind bei Reizdarm-Patienten häufig. Heute weiß man: Gehirn und Darm stehen in engem Kontakt. Sie kommunizieren über das Nervensystem, das Immunsystem und über Hormone miteinander. Dabei spielen die Darmbakterien eine wichtige Rolle (1).

Bakterien im Darm bilden Signalstoffe, die den Vagusnerv aktivieren. Der Nervus vagus ist der größte Nerv des vegetativen Nervensystems. Er reguliert fast alle inneren Organe. Forscher fanden heraus, dass eine falsche Zusammensetzung der Darmflora Entzündungen im Darm auslösen kann (2). Diese Entzündungen begünstigen Ängste und Depressionen. Welche Bakterien in unserem Darm leben, macht also aus, wie wir uns fühlen.

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Der Darm und das Glückshormon Serotonin

Serotonin wird auch das Glückshormon genannt. Es gibt innere Ruhe, Gelassenheit und Zufriedenheit. Ein Mangel an Serotonin macht ängstlicher, verursacht Reizbarkeit, Aggressivität, schlechte Laune und kann zu Depressionen führen. Der Körper bildet Serotonin aus einer Vorstufe, der Aminosäure Tryptophan. Die Aufnahme von Tryptophan erfolgt über den Darm. Liegen Störungen dieser Aufnahme vor, kann die Serotonin-Bildung sinken.

Ein Beispiel für diesen Zusammenhang gibt die sogenannte Fructose-Malabsorption. Heute werden der Nahrung große Mengen an Fruchtzucker (Fructose) künstlich zugesetzt. Häufig ein Vielfaches vom natürlichen Gehalt in Obst und Gemüse. Ungefähr jeder dritte Mensch hat Probleme damit, größere Mengen an Fructose im Dünndarm vollständig aufzunehmen. Der Fruchtzucker gelangt in den Dickdarm und führt dort zu Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen. Mit steigendem Lebensalter nimmt die Häufigkeit der Fructose-Malabsorption zu.

Interessanterweise sind Depressionen und Stimmungsschwankungen bei Betroffenen häufiger. Der Grund: Fruchtzucker hemmt die Tryptophan-Aufnahme. Dadurch können keine ausreichenden Mengen an Serotonin gebildet werden. Fruchtzucker verbirgt sich in der Zutatenliste unter den Bezeichnungen Fructose (oder Fruktose), Fruchtzucker, Fructose-Glucose-Sirup, Maissirup oder Fruchtsüße.

Probiotika, Ernährung und Co: Was wir selbst für Darm und Psyche tun können

Darm, Darmbakterien und Psyche hängen eng zusammen. Das zeigen Studien, doch das sagt uns oft auch schon unser Bauchgefühl. Stress schlägt auf den Magen oder auf die Verdauung. Umgekehrt bewirkt ein Ungleichgewicht im Darm, dass es uns psychisch schlechter geht. Unterstützen wir eine gesunde Darmflora, unterstützen wir also immer auch unsere Psyche. Positiv für den Darm ist regelmäßige Bewegung. Die Darmflora lässt sich außerdem durch eine gesunde Ernährung und Probiotika unterstützen.

Eine grafische Darstellung des Dickdarms und der Bakterien

Die Darmflora aufbauen: Darmsanierung und Probiotika

Bei Menschen mit Reizdarm (3) und auch bei Depressiven (4) sind bestimmte Darmbakterien seltener, andere häufiger als bei gesunden Menschen. In den kommenden Jahren wird es sicher in der Medizin immer mehr Ansätze geben, die Darmflora gezielt zu beeinflussen. Bis es so weit ist, kannst du selbst viel für deine Darmbewohner tun. Hier findest du Tipps und Videos, wie sich mit einer Darmsanierung und Probiotika der Darm unterstützen lässt.

Kuren mit probiotischem Joghurt oder Probiotika-Präparaten wirken sich oft positiv bei Depressionen, aber auch bei Allergien und Reizdarm, aus (5). Wenn du unter Verdauungsproblemen oder psychischer Verstimmung (oder beidem) leidest, probier es einfach aus, immerhin ist diese natürliche Behandlung sehr gut verträglich.

Wir selbst machen zweimal jährlich für 8 Wochen eine Kur mit hochwertigen Probiotika-Präparaten. Das folgende Produkt ist dafür sehr gut geeignet. Du bekommst aber auch in jeder Apotheke entsprechende Präparate (z.B. OmniBiotic). Wir nehmen das Probiotikum am Morgen auf nüchternen Magen mit einem Glas Wasser und am Abend vor dem Schlafengehen.

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21-Tage-Kur zur Leberentgiftung und Darmreinigung

Ein umfassendes Programm zur Darmsanierung, welches auch die Leber mit einschließt, ist die 21-tägige Kur zur Leberentgiftung und Darmreinigung. Dabei spielt die Auswahl entgiftender, präbiotischer und leberunterstützender Lebensmittel und Kräuter die größte Rolle. Begleitend werden Maßnahmen durchgeführt, welche den Darm reinigen, unsere Darmflora aufbauen und die Leber entgiften. Wir haben das gesamte Kur-Konzept in einem ausführlichen Artikel samt Video erklärt. Die gesamte Anleitung zur Durchführung der Kur steht dir unter dem Link oben kostenlos zur Verfügung. Wir haben außerdem ein begleitendes Webinar zur Leber-Darm-Reinigungskur erstellt, bei dem wir die TeilnehmerInnen mit persönlichen Videos, weiteren Fachinformationen und Rezepten für jeden Tag (insgesamt 93 Rezepte) unterstützen. Auch Themen der Psychohygiene kommen dabei nicht zu kurz. Egal, ob mit oder ohne unsere Begleitung, wünschen wir allen, die diese Kur machen (geht auch während der Arbeit), schöne und wohltuende 3 Wochen.

Ernährung: Hör auf dein Bauchgefühl

Die Ernährung kann die Darmgesundheit maßgeblich unterstützen. Möglichst wenig industriell verarbeitete Lebensmittel und viele frische und unbehandelte Zutaten fördern die Darmgesundheit. Bei Depressiven verbesserte sich die Stimmung in einer Studie (6) mit einer Mittelmeer-Diät: Viel Gemüse, etwas Fisch, gesunde Öle und Vollkorn.

Die englische Neurologin Dr. Natasha Campbell-McBride prägte eine neue Ernährungsform: Die GAPS-Diät. GAPS steht für „gut and psychology snydrome“ (Darm- und Psyche-Syndrom). Bei der GAPS-Diät werden nur frische Nahrungsmittel verwendet. Brühen und fermentierte Lebensmittel, die reich an Probiotika sind, werden selbst hergestellt. Stärke und Zucker werden gemieden.

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Das Wichtigste ist jedoch: Hör auf dein Bauchgefühl. Oft spüren wir unbewusst, welche Nahrung uns gut tut und welche nicht. Meide alles, was dir nicht bekommt und bei dem du ein „schlechtes Bauchgefühl“ hast. Unterstütze deine Darmgesundheit – und damit gleichzeitig dein psychisches Wohlbefinden.

Wichtige Mikronährstoffe

Sehr häufig können leere Mikronährstoff-Speicher und ausgelaugte Zellen auf die Stimmung und das Energielevel schlagen. Daher ist anzuraten, einen Mikronährstoff-Status durchführen zu lassen und wenn Mängel nachgewiesen werden, diese mittels geeigneter Präparate gezielt aufzufüllen. Dazu ist es wichtig, einen Orthomolekularmediziner aufzusuchen, der dich durch eine solche Therapie begleitet.

Interview mit Prof. Dr. Andreas Michalsen zum Thema Darm

Hier spricht Prof. Andreas Michalsen, einer der führenden Mediziner und Forscher auf den Gebieten der Ernährung und des Heilfastens, über das Thema Darmgesundheit. Michalsen ist Internist und Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité Berlin und am Immanuel Krankenhaus Berlin.

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Quellenangaben

  1. Schmidt C. Mental health: thinking from the gut. Nature 2015;518(7540):S12-5.
  2. Rook GAW, et al. Can we vaccinate against depression? Drug Discovery Today 2012;17(9-10),451-458.
  3. Distrutti E, et al. Gut microbiota role in irritable bowel syndrome: New therapeutic strategies. World J Gastroenterol 2016;22(7):2219–2241.
  4. Naseribafrouei A, et al. Correlation between the human fecal microbiota and depression. Neurogastroenterol Motil 2014 Aug;26(8):1155-62.
  5. Huang R, et al. Effect of Probiotics on Depression: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Nutrients 2016;8(8).
  6. Jacka FN, et al. A randomised controlled trial of dietary improvement for adults with major depression (the ‘SMILES’ trial). BMC Medicine 2017;15:23.
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Bildquellen

  • Dickdarm und Bakterien – eine grafische Darstellung: Anatomy Insider | Shutterstock.com
  • Eine Frau, die sich den Bauch streichelt: Irina Bg | Shutterstock.com
Dr. Silvia Nold

Dr. Silvia Nold ist promovierte Biologin und hat eine abgeschlossene Ausbildung als pharmazeutisch-technische Assistentin mit Schwerpunkt Ernährungslehre. Sie war mehrere Jahre in der medizinischen Diagnostik tätig. Dr. Nold schreibt für Lanaprinzip Publishing e.U. über Themen der Biologie, Medizin und Ernährung.

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