Eine Frau vor einer Kältekammer bei der Kryotherapie

Kryotherapie in der Kältekammer gegen Schmerzen und Entzündungen

in Körper von Mag. Sandra M. Exl

Bei der Kryotherapie handelt es sich um alle Formen der Kältebehandlung. Kältereize werden seit Jahrtausenden therapeutisch genutzt, um Schmerzen und entzündliche Leiden zu lindern sowie das Immunsystem und die Selbstheilungskräfte anzuregen. Die Ganzkörperkältekammer erzielt vor allem bei chronischen Erkrankungen wie Rheuma große Erleichterung.

Bereits um 400 v. Chr. wurde die Kryotherapie (Kryo = Kälte) von Hippokrates in seinen berühmten Schriften erwähnt. Vom kalten Wickel bis hin zur Ganzkörper-Kryotherapie kommt seitdem Kälte in großer Bandbreite zur medizinischen Anwendung. In der europäischen Traditionsmedizin sind z. B. Kaltwasser-Anwendungen nach Kneipp ein fixer Bestandteil und werden in vielen Kurhäusern eingesetzt.

Die Anwendung von Kältereizen kann auf mehreren Wegen stattfinden. Die häufigsten lokal angewandten kryotherapeutischen Maßnahmen sind Wickel aus Eiswasser getränkten Tüchern, Kaltmoor oder Topfen, Eisbeutel, Eiskompressen, gefrorene Gelbeutel oder auch Kältesprays. Diese Maßnahmen finden in erster Linie bei Verletzungen ihre Anwendung.

Neben der lokalen Kryotherapie kommt außerdem die Ganzkörper-Kältetherapie zum Einsatz. Hier sind vor allem chronische Krankheiten wie z.B. Rheuma die hauptsächliche Indikation.

Beim Eistauchbad (etwa 1 bis 12 °C) taucht man den gesamten Körper für mehrere Minuten in das eisige Wasser, danach geht es ins vorgewärmte Bett. Extrem kaltes Wasser empfinden wir als äußerst unangenehm auf der Haut und nicht viele Menschen sind im Stande, sich einem Eistauchbad zu unterziehen. Eine wesentlich praktikablere Form der Ganzkörper-Kältetherapie ist jene mit kalter, trockener Luft in der Kältekammer. Obwohl man hier für einige Minuten Temperaturen um die minus 110 °C ausgesetzt ist, erträgt man diese in der Regel sehr gut.

Was ist die Ganzkörper-Kältekammer?

In den 1970er Jahren entwickelte ein japanischer Rheumatologe eine Ganzkörper-Kältebehandlung gegen rheumatoide Arthritis. In sogenannten Kältekammern setzt man sich für wenige Minuten eisigen Temperaturen von minus 110° C aus. Auf diese Kryotherapie setzen mittlerweile immer mehr ÄrztInnen und vor allem auch PatientInnen. Prof. Dr. Andreas Michalsen arbeitet am Immanuel Krankenhaus Berlin mit der Kältekammer und spricht dabei von beeindruckenden Effekten: „Schmerzen verschwinden, Entzündungen werden für Stunden oder sogar Tage gedämpft.“

Was geschieht in der Kältekammer?

Bei der Ganzkörperkältekammer handelt es sich um ein Zweikammersystem. Um sich an die eisigen Temperaturen zu gewöhnen, geht man vorerst für 30 Sekunden in eine Vorkammer von minus 60 °C. Danach geht es weiter in die minus 110 Grad kalte Hauptkammer, in der man zweieinhalb Minuten verweilt. Dabei bewegt man sich, indem man langsam umher geht. Man trägt lediglich Badekleidung, Haube, Mundschutz, Handschuhe, dicke Socken und Turnschuhe. Schmuck und eventuell vorhandener Hörapparat müssen abgelegt werden. Da es sich um eine extrem trockene Kälte handelt, hält man die eisigen Temperaturen gut aus. Die Überwachung erfolgt mittels eines audiovisuellen Systems durch eine Diplomkrankenschwester. Fühlt man sich nicht wohl, kann man die Kammer jederzeit verlassen.

Nach dem Besuch der Kältekammer wird die Haut stark durchblutet und beginnt zu kribbeln. Die meisten Menschen berichten auch von einem positiven Stimmungsumschwung, was an den Endorphinen liegt, die unser Körper durch diesen extremen Reiz produziert.

Im Anschluss wird je nach Verordnung ein medizinisches Bewegungstraining unter Anleitung von Physiotherapeuten durchgeführt.

Bei welchen Beschwerden hilft die Kältekammer? - Indikationen der Ganzkörper-Kryotherapie

Die Ganzkörper-Kältebehandlung wird vorwiegend bei Krankheiten des Immunsystems ohne bakterielle Ursache wie z.B. rheumatische Gelenkserkrankungen, Weichteil-Rheumatismus, Morbus Bechterew, Neurodermitis und Schuppenflechte (lindert Juckreiz) eingesetzt. Besonders Gelenksentzündungen im akuten Entzündungsschub sollen gut auf die Kältebehandlung ansprechen. Die Entzündungen klingen ab, schmerzende Gelenke werden wieder beweglicher und das Fortschreiten degenerativer Prozesse kann gebremst werden. Aufgrund der Schmerzlinderung bei z.B. Fibromyalgie und Rücken- oder Schulterschmerzen sind weniger Medikamente nötig und physiotherapeutische Übungen können besser durchgeführt werden. Ganz allgemein lindert die Ganzkörperkältetherapie Schmerzen und zwar egal welche Ursache sie haben.

Die Indikationen auf einen Blick

  • Chronisch entzündliche Gelenkserkrankungen
  • Chronisch entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen
  • Rheumabeschwerden, z.B. bei primär chronischer Polyarthritis oder Morbus Bechterew
  • Degenerative Gelenkserkrankungen (Arthrosen)
  • Psoriasis (Schuppenflechte) und Neurodermitis
  • Wirbelsäulensyndrome
  • Weichteilrheumatische Erkrankungen, z.B. Fibromyalgie
  • Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen)
  • Zustand nach Gelenks- und Wirbelsäulenoperationen
  • Akute Schmerzen, z.B. akute Sportverletzungen oder nach Operationen
  • Asthma bronchiale (ausgenommen kälteinduziertes Asthma)
  • Gestörte Regulation des Muskeltonus (Spastik)
  • Restless Legs
  • Migräne
  • psychische Beschwerden wie leichte Depressionen

Weitere Anwendungsgebiete:

  • (Leistungs-)Sportler gehen vor Wettkämpfen gerne in die Kältekammer, um die Leistungsfähigkeit zu steigern. Ebenso nach Wettkämpfen, um Muskelkater zu vermeiden und die Regenerationsphase zu unterstützen
  • Eine Serie von Kältekammergängen steigert das allgemeine Wohlbefinden und hat somit einen Wellness-Effekt.
  • Stimmung und Vitalität können sich verbessern.
  • Das Immunsystem wird angekurbelt.
  • Guter Schlaf kann gefördert werden.
  • Die Herz-Kreislauf-Funktion kann sich verbessern.

Diese Anwendungsgebiete ergeben sich vor allem aus Erfahrungsberichten von ÄrztInnen und PatientInnen. Wirklich repräsentative Studien sind derzeit auf diesem Gebiet rar.

Wer darf nicht in die Kältekammer? – Kontraindikationen der Ganzkörper-Kryotherapie

Bevor man eine Kältekammer betreten darf, wird man ärztlich untersucht und bezüglich Kontraindikationen befragt. Man darf grundsätzlich nur dann in die Kältekammer gehen, wenn man sich weitgehend wohl fühlt und die folgenden Punkte nicht auf einen zutreffen:

  • Arterielle Durchblutungsstörungen (PAVK: Grad III-IV)
  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Nach Operation im Herzbereich
  • Herzschrittmacher
  • Schwere Formen von Herz-Rhythmus-Störungen
  • Schwere Herzerkrankungen (Herzinfarkt etc.)
  • Unbehandelter Bluthochdruck (Einlasskriterium:
  • Asthma, wenn bei Kälte Verschlechterung eintritt
  • Gefühlsstörung (kein Kalt-Warm-Empfinden)
  • Morbus Raynaud („Weißfingerkrankheit“)
  • Klaustrophobie (Platzangst), Panikattacken
  • Diabetes mellitus (wenn Neigung zu Unterzucker)
  • Schwangerschaft
  • Epilepsie/Schlaganfall/Hirnblutung
  • Venenthrombose/Lungenembolie
  • Akuter Infekt (Atemwege, Harntrakt)
  • Kälteallergie

Gibt es Nebenwirkungen bei der Ganzkörperkryotherapie?

Wenn die oben genannten Kontraindikationen ausgeschlossen werden können, kommt es in der Regel zu keinen Komplikationen durch die Kältekammeranwendung. Eine kurzfristige Rötung der Haut ist nicht ungewöhnlich, manchmal berichten Menschen auch von leichtem Juckreiz. Seltener kann es zu Schwindel kommen und sehr selten zu Angstzuständen mit Atemnot.

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Wie wirkt eine Ganzkörper-Kryotherapie?

Der Kältereiz verändert zum einen die Sensibilität der Nervenzellen. Dies hat nicht nur eine schmerzlindernde Wirkung, sondern ist auch für den muskelentspannenden Effekt verantwortlich. Außerdem wird die tonische Aktivität der Muskulatur gesenkt, das heißt, die Muskulatur wird weicher. Das Ergebnis: Verspannungen lösen sich und damit mindern sich auch die Schmerzen.

Ein weiterer Grund für die schmerzlindernde Wirkung könnte die Beeinflussung der Reflexbahnen durch den Kältereiz auf die gesamte Körperoberfläche sein sowie die Einwirkungen auf zentrale Steuerungsfunktionen. Auch die Ausschüttung von bestimmten Botenstoffen (Histamin, Serotonin, Endorphinen und/oder Zytokinen) kann sich durch die intensive Kälteeinwirkung günstig verändern. Die stark entzündungshemmende Wirkung von Kälte erklärt sich zum Teil daraus, dass durch eine verringerte Körpertemperatur die Aktivität der Entzündungsmediatoren gehemmt wird.

Letztendlich lässt sich die Initiation bestimmter Selbstregulationsmechanismen unseres Körpers nicht immer detailliert nachvollziehen. Vor allem die Naturheilkunde arbeitet mit dem Herauskitzeln der Selbstheilungskraft: Sie will den Organismus dazu anregen, seine Gesundheit aus eigener Kraft wiederzuerlangen. Durch die Verarbeitung gezielter und wohldosierter Reize wird der Körper quasi wachgerüttelt, seine Aufgaben zu erfüllen.

Wann tritt eine Wirkung ein?

Bei vielen Patienten bewirkt die einmalige Anwendung der Kältekammer einige Stunden Schmerzlinderung oder sogar völlige Schmerzfreiheit. In dieser Zeit kann man physiotherapeutische Maßnahmen durchführen, um die Beweglichkeit einzelner Gelenke wieder zu erhöhen. Manche Patienten benötigen mehrere Anwendungen, um eine Besserung zu erzielen, dafür hält die lindernde Wirkung bei regelmäßigen Wiederholungen meist länger an. Optimal ist die Durchführung einer Kältekammer-Therapie im Rahmen eines Kuraufenthalts. Bei regelmäßiger Anwendung (max. 2 Mal täglich mit 2 Stunden Pause dazwischen) über 2-3 Wochen haben Patienten mit chronisch entzündlichem Rheuma oder Arthrose eine gute Chance, kranke Gelenke wieder einigermaßen schmerzfrei beweglich zu machen. Dr. Maria Holzmann, ärztliche Leiterin im Gesundheitsresort Lebensquell Bad Zell, bestätigt langanhaltende Effekte.

Wo gibt es Ganzkörper-Kältekammern?

Kältekammern werden bisher vor allem in Kur- und Reha-Zentren eingesetzt und stehen bei entsprechender Indikation den Kurgästen zur Verfügung. Da die allgemein positiven Effekte von Kältekammergängen auf das Wohlbefinden bekannt sind, bieten mittlerweile auch vereinzelt Wellness- und Gesundheitshotels die vitalisierenden Eiskammern an.

Das Gesundheitsresort Lebensquell in Bad Zell verfügt seit 2004 über eine Ganzkörper-Kältetherapiekammer, die sowohl als Therapie-Angebot im Rahmen eines stationären Kuraufenthalts als auch für Privatgäste zur Verfügung steht.

Unsere Redaktion testet regelmäßig Gesundheitshotels und ihre Angebote. Wir waren auch zu Besuch im Gesundheitsresort Lebensquell Bad Zell und ließen minus 110 °C in der Kältekammer auf uns wirken.

Fazit

Auch wenn große wissenschaftliche Studien hinsichtlich der Wirksamkeit von Ganzkörperkältetherapien rar sind, gibt es dennoch viele ÄrztInnen und AnwenderInnen, die von der erstaunlichen Wirkung der extremen Kältereize überzeugt sind. Ich selbst bin ein sehr kälteempfindlicher Mensch und halte z. B. eine kalte Dusche nur sehr schwer aus. Meine Erfahrung in der Kältekammer hingegen war bei weitem nicht so unangenehm, wie ich befürchtet hatte. Vor allem war ich im Anschluss extrem wach und gut gelaunt, denn mein Körper hat mich mit einem einwandfreien Endorphin-Schauer belohnt.

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Offenlegung und Hinweis auf Werbung: Dieser Beitrag wurde vom Gesundheitsresort Lebensquell unterstützt.

Quellen
  • W. Papenfuß: Die Kraft aus der Kälte, Ganzkörperkältetherapie bei -110°C. Edition k, Regensburg, Wolfsegg, 2011
  • Physikalische Medizin, Armin Lange, Springer Verlag, Berlin 2002
  • Arnd Krüger: Ganzkörperkältetherapie. In: Leistungssport. 44(5), 2014, S. 25–26.
  • Funktionelle Schmerztherapie des Bewegungssystems, Niemier/Seidel (Hrsg.), Springer Verlag, 2. Auflage, Berlin 2011
  • Friedrich-Karl Sandmann und Prof. Dr. Andreas Michalsen: Heilen mit der Kraft der Natur: Meine Erfahrung aus Praxis und Forschung – Was wirklich hilft
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